Hitman – Agent 47

Vor lauter Vorfreude auf Hitman – Absolution, welches ich mir gestern gekauft habe, habe ich Hitman – Agent 47 – aus dem Jahr 2000 – gespielt. Agent 47 war auch das einzige Spiel der Reihe, welches ich bisher noch nicht gespielt hatte. Das lag hauptsächlich daran, dass Agent 47 nur auf den PC erschienen ist, während seine drei Nachfolger auch auf Konsolen erschienen sind. Dazu wurde Agent 47 indiziert. Mittlerweile soll die Indizierung seit diesem Jahr wieder aufgehoben sein, dennoch konnte man das Spiel auch schon während der Indizierung legal bei Steam kaufen, was eigentlich nicht der Fall sein sollte, da Steam keine indizierten Spiele anbietet. Nicht, dass ich mich darüber beschweren möchte…

Jedenfalls hatte Agent 47 die Reihe begründet und bot von daher schon die wesentlichen Merkmale. Vor jeder Mission habe ich ein Briefing zu der Mission und den Zielen, kann mir Waffen und Items mitnehmen, mich in der Mission verkleiden und mittels geschickten Lösungsmethoden meine Ziele auch möglichst lautlos erreichen. Oberflächlich betrachtet ist Agent 47 also ein Hitman-Titel wie jeder andere, dürfte aber dennoch der schlechteste Teil der Reihe sein.

So sind einige Missionen schlichtweg scheiße. Zu nennen wären da die drei Dschungel-Missionen. In der ersten der drei Mission bringt man einem Eingeborenenstamm ihr Heiligtum zurück und muss dann den Bruder des Stammesälteren retten. Für diese Mission gibt es aber keine elegante Lösung, man muss sich durchzuschießen, was sehr mies für ein Hitman-Spiel ist. In dieser Mission sollte man auch nicht vergessen das Scharfschützengewehr mitzunehmen, weil man die Waffen in den nächsten beiden Leveln behält. Also ist das die einzigste Gelegenheit ein Scharfschützengewehr zu bekommen, obwohl man in eine militärische Basis mit einem Waffenarsenal eindringt, aber doofwerweise ausgerechnet kein Scharfschützengewehr hat. Dabei braucht man jedenfalls so ein Scharfschützengewehr, um einigermassen elegant dieses Kapitel zu beenden. Wenn man dann aber mit dem Scharfschützengewehr bei der 3. Dschungelmission ankommt, darf man trotz oder gerade wegen der Soldaten-Verkleidung nicht mit diesem Gewehr gesehen werden. Ich darf eine AK bei mir tragen und womöglich noch andere Waffen, aber kein Scharfschützengewehr. Und selbst wenn ich in Uniform herumlaufe, gibt es Gebiete, die mir verwehrt bleiben. Man kann diese Mission einfach nicht schaffen, ohne Alarm auszulösen, was einerseits sehr ätzend ist und das ganze Spiel damit runter zieht.
Besonders ärgerlich ist es, weil mir während dem Spielen mehrere Varianten einfallen, wie man die Missionen ändern müsste, damit der Spieler die Mission wie ein Silent Assassin erfüllen kann. Wieso hinterläßt man im Lager kein Scharfschützengewehr? Wieso verbietet man den Spieler Zutritte, trotz Leutnant-Uniform? Warum zwingt man mich zum ballern?
Ähnliches auch beim Lee Hong-Attentat. Den Bodyguard von Lee Hong kann ich vergiften. Ich kann ihn aber nur vergiften, wenn ich mich als Kellner verkleidet habe. Um mich als Kellner zu verkleiden, muss ich einen der Kellner, die als Zivilisten gelten, umbringen, wofür ich beim Debriefing mit einem Lohnabzug bestrafft werde. Wozu bestrafft man den Spieler für das elegantere Vorgehen? Wieso muss er einen Kellner töten und kann nicht einfach das Essen mit einer anderen Verkleidung vergiften? Dazu darf ich, trotz Verkleidung, keinen Safe öffnen und muss die dazugehörige Wache töten. Dazu darf hier wieder gekotzt werden, wenn der zufällig ausgewählte Safe von mehreren Wachen… naja, bewacht wird und ich durch solche Kleinigkeiten noch mehr Leichen hinterlasse.
Wieso untergrabt man damit das geniale Spielkonzept, welches in anderen Missionen auch wunderbar funktioniert? Es ist so ärgerlich, wenn sich solche Pannen im Spiel einschleichen und damit das Spiel-Konzept über den Haufen geworfen wird.
Hier muss ich auch noch ehrlich werden: Ich habe den bisherigen Text geschrieben, als ich noch ungefähr bei der Hälfte des Spiels war. Später wurde es noch schlimmer! So muss ich einen Waffenhändler, der sich auf einen Hafen befindet, töten. Blöderweise gibt es mehrere Wachposten, die ich trotz Verkleidung nicht durchqueren kann. Andere Wachen benutzen dafür ein Passwort und dürfen dann durch, ich als Spieler muss mich da irgendwie durchbuggen, indem ich mich genau hinter den Wachen stelle und hoffe mich durchmogeln zu können – manchmal geht’s, manchmal doch nicht und manchmal wird auf mich geschossen. Ich bekam häufige Schreikrämpfe, schimpfte mehr als ein betrunkener Hafenarbeiter und drohte nie wieder zu spielen, nur um es später resignierend doch nochmal zu versuchen. Als eine Wache kurz vor Ende scheinbar völlig grundlos das Feuer auf mich eröffnete, war es mir egal und ich hatte mich irgendwie da durchgekrampft. Offenbar soll ich mich durchschießen, aber warum gibt es einen unbwachten durchang in den Zaun? Warum kann ich die Zielperson mit einer Autobombe töten? Wieso gibt es ansatzweise diese Möglichkeiten, wenn dazu gezwungen werde die Leute abzuknallen?
Witzigerweise wurde in dem 3. Teil der Hitman-Reihe, Hitman – Contracts, einige der Missionen aus Agent 47 wiederverwendet, teilweise in veränderte Form, um damit den Spielern einen Silent Assassin-Walkthrough zu ermöglichen. Wobei die Änderungen teilweise sehr gering sind, was mich wiederum auch wieder an Agent 47 ärgert: Vom Konzept sind die Missionen nicht so verkehrt und doof. Wenn man einige kleine Details ändern würde und die Missionen noch durchdachter wären, wäre es ein gutes Hitman-Spiel. Aber so bleibt es einfach sehr krampfig. Die Dschungel-Missionen sind jedenfalls nicht enthalten. Die konnte man einfach mit dem schlechten Aufbau auch einfach nicht mehr retten.

Dazu gab es im ersten Teil der Hitman-Reihe auch noch keine Save-Funktion innerhalb der Missionen. Das ist insofern schlimm, da die Hitman-Spiele zu großen Teilen aus Trial & Error-Passagen bestehen, weil die gegnerischen Wachen so unvorhersehbar sein können. Beispielsweise darf ich als Triaden-Leibwache eine Uzi oder eine AK tragen, aber kein Scharfschützengewehr. Durch manche Bereiche kann ich gehen, bei anderen wird sofort auf mich geschossen. Manchmal wird scheinbar auch einfach so auf mich geschossen, weil das Spiel, wie leider auch die Nachfolger, nunmal verbuggt ist und auch mal scheinbar grundlos auf mich geschossen wird. Oder wegen den unvorhersehbaren Verhalten der Wachen zumindest einen verbuggten Eindruck hinterläßt. Ich spreche gerne davon, wie man den Spielern den Zugang eines Stealth-Spiels erleichtern sollte, genau wegen solchen Spielen wie die Hitman-Spielen, die es den Spielern in dieser Hinsicht sehr schwer machen. Eine Save-Funktion fängt diesen Frust etwas auf, indem nicht die ganze Mission in einem Anfall der KI von rücksichtslosem Spieler-Mobbing neu gestartet werden muss.

Im Ganzen bleibt also ein ‚Schade‘ übrig. Denn dies ist eindeutig ein Hitman. Es gibt gute, funktionierende Missionen, bei denen ich die Umgebung nach möglichen Lösungsmethoden durchsuchen und meine Attentate planen kann, wie es in einem guten Hitman der Fall sein sollte. Die Musik ist dabei auch sehr gut geworden und ich höre sie auch gerne außerhalb der Spiele – wie es auch bei den anderen Hitman-Spiele der Fall ist. Aber es mangelte einfach noch an der Umsetzung. Agent 47 hat die ganzen Spiel-Elemente eingebracht, aber wegen eigentlich banalen Problemchen und einigen frustigen Mission kam noch kein rundes Spiel zu stande. Glücklicherweise hatte sich das aber mit den Nachfolgern doch wieder behoben.

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