Metal Gear Solid 4 – Sense

Das Thema in MGS4 lautet Sense. Sense meint damit Sinn und handelt dabei besonders um das Verstehen anderer Menschen – warum tun sie das, was sie tun und wie man ihre Absichten, ihren Sinn missinterpretieren kann.

Im Spiel haben wir Big Boss und Zero. Für beide war The Boss eine Mentorin und beide wollten nach ihrem Tot ihren Willen erfüllen. Aber beide interpretierten damals im Kalten Krieg ihren Willen, die Welt wieder zu vereinen, unterschiedlich. Während Zero glaubte ihren Willen durch Zwangskontrollen durchzusetzen, glaubte Big Boss an eine Kriegswirtschaft, die der menschlichen Natur entspricht – das Gegeneteil eines Kalten Krieges also. Am Ende von MGS4 erkennt Big Boss, dass sie sich beide geirrt haben. Es ginge nicht darum die Welt zu verändern, sondern sie zu lassen, wie sie ist.
Dieses Missverständnis eines Willen steht zentral für die Konflikte der gesamten Metal Gear-Reihe, da jedes Spiel ein Kapitel erzählt zwischen dem Kampf von Zeros Patriots und Big Boss und seinen Klonen Liquid und Solidus, die wie Big Boss nach einer Welt ohne die Kontrolle der Patriots strebten.

Auch gibt es im Spiel mehrere weitere Charactere, die versuchen andere zu verstehen oder die andere nicht verstehen konnten.
Zum einen ist da Snake, der von Naomi scheinbar verraten wird. Aber warum sie das tat kann sich Snake nicht erklären. So wird die Frage nach dem Warum im Spiel auch gestellt, aber lange Zeit nicht beantwortet. Auch als sie stirbt, bleiben ihre Motive für das, was sie tat im unklaren.
Zu erwähnen wäre auch Johnny. Johnny lernt der Spieler als Comedy-Character kennen, der während einer Mission unter Durchfall leidet. Erst später erfährt der Spieler aber, dass Johnny keine Nano-Maschinen hat und somit als einziges Mitglied der Rat Patrol Team 01 die Kriege ungefiltert erlebt. Seine Motive waren seine heimliche Liebe zu Meryl, von der sie auch nichts wusste. Johnny ist also ein Character, der lange Zeit missverstanden wurde.
Unklar bleibt eine lange Zeit auch die Beziehung zwischen Raiden und Rose und welche Rolle Campbell in der Beziehung übernommen hat. Ihre Trennung wird häppchenweise erklärt und zunächst nur mit Meryls Abneigung gegenüber ihrem Vater Roy Campbell angedeutet, welche selber zunächst auch eher vage bleibt. Erst später wird ihre Trennung erklärt, welche wiederum aus Gründen stattfand, die der Spieler und Raiden erst gegen des Spiels erfahren.

Die Besonderheit von MGS4’s Themas liegt aber wieder in der Meta-Ebene. Wenn es um den Sinn und das Verstehen dieses Sinns geht, steht das auch wieder für MGS2 und die Kontroverse, die das Spiel ausgelöst hat. Wie man MGS2 auch interpretieren möchte, MGS2 bleibt dennoch ein sehr missverstandenes Spiel. Spieler wollten eine Fortsetzung zu MGS2 haben, in denen offene Handlungen weiter erzählt oder erklärt werden. Es war aber nie Hideo Kojimas Absicht gewesen, diese Punkte zu erklären.
Dies hatte Kojima auch in einem Interview erklärt:

„Once again I’d intended for MGS3 to wrap up the series, but so many people wanted to know what happened after „2“. Things like the identity of the Patriots and so forth. I had planned on leaving those mysteries as mysteries, but people weren’t convinced that the series was wrapped up.
So ultimately we ended up making „4“. When work started on it, though, I began to wonder if my message of what we should pass on to future generations had truly gotten through, both to players and my team.“

Mit MGS2 machte Kojima die Erfahrung, dass man nicht alles an andere weitergeben kann. Deshalb handelt MGS4 von „Sense,“ also Sinn, Verstand, den man wiederum nicht ohne weiteres an andere Menschen weitergeben kann. Noch schlimmer kann dieser „Sense“ – die Nachtricht, die man weitergeben möchte – von anderen missverstanden werden. Im Falle eines MGS2 kommt dann bei den Spielern etwas völlig anderes an, als eigentlich beabsichtig wurde – wenn überhaupt etwas ankam.

Im Spiel finden sich wieder Meta-Dialoge, die genau dies über Kojima und die MGS-Reihe beschreiben:

Naomi : We can’t… Erase the past. Nor… Can we forgive it. And so
the only thing we can do… Is end it.

Kojima hatte mit MGS2 ein Spiel geschaffen, zu dem sich viele Spieler eine Fortsetzung gewünscht hatten, wobei das nicht so gedacht war. Kojima brachte mit MGS3 ein Prequel, welches eine Fortsetzung zu MGS2 aufschob, aber nicht unvergessen machte. Weil man die Vergangenheit nicht löschen kann, musste er einen Schlussstrich ziehen.
An anderer Stelle spricht Naomi sogar von Sünden:

Naomi : Snake… You have been given life so that you may fulfill your purpose.
When all of this is over, you’ll have no choice but to
accept death. We are given life only so that we can atone
for our sins. Your life was created for that very purpose.
We all must atone for our own sins. We must not pass them on
to the next generation. We must not leave them for the
future. That is your true fate… One that even you cannot
defy.

Diese Stelle ist deshalb so wichtig, weil Naomi davon spricht, etwas an zukünftige Generationen weiter zu geben. Das Weitergeben an zukünftige Generationen ist wiederum das Haupt-Thema der gesamten MGS-Reihe. Ein missverstandenes MGS2 darf in dem Sinne also nicht weiter gegeben werden, sondern muss von ihm selber abgeschlossen werden.

In dem selben Interview sagt Kojima auch, dass Snake Kojima verkörpert:

„Yeah, I’d say he does. We’re both old but we both think we have nice asses for our age (laughs).“

Dies hat zwar nichts mit dem Hauptthema zu tun, ist aber dennoch eine interessante Blickweise auf das Spiel.
Wir kennen Snake eigentlich als einen Idealisten. In MGS1 und 2 muntert er die Menschen durch Ratschläge auf. Er gibt nicht auf, er ist ein Kämpfer. Aber in MGS4 bezeichnet sich Snake selber als einen Killer, der lediglich nur einen Job zu Ende bringt. Er hat aufgegeben. Er hat seine Ideale verloren. Er ist ein alter, ausgebrannter Mann geworden.
Dies könnte Kojima sein, der selber aufgegeben hat und die Spielentwicklung nur noch als Auftragsarbeit sieht. An MGS3 und 4 sieht man, wie sehr er sich zurückhält und die Spieler nicht mehr mit einer Message über sich selbst und die Welt überschlägt. Mit MGS4 und all dem Fan-Service im Spiel bringt er lediglich einen Job zuende.

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