Metal Gear Solid 4 – Guns of the Patriots

Metal Gear Solid 4 – Guns of the Patriots ist mitte 2008 exklusive für die PS3 erschienen. Mit enthalten war Metal Gear Online, welches in Japan separat verkauft wurde. Für MGS Online sind einige DLC’s als Expansion Packs erschienen, die u.a. neue Maps und spielbare Charactere der MGS-Reihe boten. Im Juni 2012 wurden jedoch die Server abgestellt. Im July 2012 wiederum ist anläßlich des 25. Jubiläums der Reihe ein Trophy-Patch für MGS4 erschienen. Dieser Patch brachte Trophies/Achiements und bietet dem Spieler eine Vollinstallation an, damit nicht mehr nur einzelne Kapitel installiert werden.

MGS4 spielt nach MGS2. Im Jahr 2014 lebt die Welt von der Kriegswirtschaft, die unzählige Konflikte antreibt. Staaten heuern private Armeen an und die größten Privat-Armeen werden von Liquid Ocelot angeführt. Obwohl wenige Jahre nach MGS2 vergangen sind, ist Solid Snake aufgrund seiner Klon-Herkunft schnell gealtert. Snake bekommt unter seinen neuen Codenamen – Old Snake – den Auftrag Liquid Snake zu töten.

MGS4 ist knapp gesagt vollkommener Fan-Service und ein Nerd-Fest für die MGS-Fans. Fast jeder Character aus der MGS-Reihe hat seinen Auftritt in MGS4 oder wird zumindest erwähnt. Sogar Dr. Madnar, aus den Ur-Metal Gears, findet seine Erwähnung. Die Beauty & Biest-Unit, die die Endgegner im Spiel darstellen, sind sogar ein einziger Tribut an die vorherigen MGS-Endgegner, indem sie Namen und Kampftarten (MGS1), Waffen (MGS2) und Emotionen (MGS3) aus den Vorgängerspielen übernehmen und damit Eigenschaften der vorherigen Boss-Charactere kombinieren. So hat man:

– Laughing Octopus: Wie Decoy Octopus tarnt sie sich vorwiegen, hat Tentakel und ein MG wie Solidus und die Emotionen entprechend von The Joy
– Raging Raven: Angelehnt an Vulcan Raven hat sie fliegende Begleiter, benutzt dazu Sprengmittel wie Fatman und entspricht der Emotion von The Fury
– Crying Wolf: Eine Scharfschützin wie Sniper Wolf, mit Fortunes Railgung und der Mischung aus The End und The Sorrow
– Sceaming Mantis: Hat wie Psycho Mantis telepathische Kräfte, benutzt wie Vamp Messer und ihre Emotionen sind eine Mischung aus The Pain und The Fear

Auch gibt es mehrere Reminiszenzen aus den Vorgängerspielen. Wenn sich Raiden und Vamp auf dem Kopf von Metal Gear Rex duellieren, ist das eine Anspielung auf den Kampf zwischen Snake und Liquid von MGS1. Zur selben Zeit muss der Spieler als Snake mehrere Gekkos, also Mini-Metal Gears, zerstören, wie damals Raiden gegen die Metal Gear Rays in MGS2. In Kapitel drei hat der Spieler eine ähnliche Verfolgungsjagd auf einem Motorrad wie damals in MGS3. Ja, Kapitel 3 erinnert sogar Snatcher, einem anderen Spiel von Kojima, wenn Snake mit Trenchcoat und Tarn-Maske wie Snatcher-Protagonist Gillian Seed aussieht. Beide haben sogar einen kleinen Helfer, heißt in Snatcher Metal Gear Mk. II und in MGS4 MK II und die sehen sich beide auch sehr ähnlich.
Dazu scheint Kojima in meinen Gedanken gelesen zu haben. So hatte ich mir damals bei MGS2 vorgestellt, wie es wohl wäre wenn man selbe Fortunes Railgun haben könnte – in MGS4 bekomme ich genau diese Railgun. Damals 1998 hatte ich mir gesagt, wie cool es wohl wäre wenn man Metal Gear Rex selber steuern könnte. In MGS4 geht das!
Der Fan-Gedanke trifft auch auf die Zwischensequenzen zu und damit auch, ob einem das Spiel gefällt, bzw. für wen das Spiel überhaupt ist. Die Zwischensequnzen sind nämlich lang und nicht selten. Eine Sequenz soll sogar 45 Minuten lang gehen. MGS4 ist nicht die Spitze des Eibergs, es ist der Eisberg wenn man von einer Film/Spiel-Mischung oder einem „interaktiven Film“ (wobei ich diesen Ausdruck in dem Zusamenhang falsch finde) spricht. Dazu wäre ich mir nicht sicher, ob MGS4 mit all seinen Verweisen überhaupt einsteigerfreundlich ist. Man muss sich da nichts vor machen: MGS4 ist nur dafür da, um die (missverstandene) Geschichte aus MGS2 zu einem Abschluss zu bringen.
Abschluss ist ein gutes Stichwort, da MGS4 auch sehr melancholisch ist und wie ein Abschied wirkt. Hauptsächlich wegen dem stark gealterten Snake. Dem Spieler wird sehr deutlich gemacht, dass Snake sterben wird. Snake ist ein alter, müder Mann, der keine Ideale mehr hat und in sich nur noch einen Killer sieht, der einen Auftrag zu Ende bringt. Sehr viel Lob geht da auch wieder an den Snake-Sprecher David Hayter, der Snake eine Gebrochenheit und Müdigkeit verleiht. Als Spieler wünscht man sich, dass dieser Mann endlich zur Ruhe kommt.

Rein spielerisch hatte mir MGS4 sehr gut gefallen. Das Spiel ist in sechs Kapitel unterteielt, von denen das letzte lediglich ein Film-Epiloge ist. Hier meine Eindrücke zu den Kapiteln:
– Liquid Sun
Das erste Kapitel spielt in einer Kriegszone im Nahen Osten. Und mein Gott, was hat mich dieses erste Kapitel begeistert. Nach Genre-typischen Geschleiche in feindliche Anlagen (MGS1 und 2), bot Kojima mit dem 3. Teil nicht nur ein neues Setting, sondern variierte das Stealth-Genre mit dem Dschungel-Thema und Survival-Elementen. In MGS4 erlebt der Spieler wieder eine völlig andere Form des Stealth-Spiels, nämlich inmitten eines Kriegsgebiets.
Dies verleiht dem Stealth-Spiel eine geradezu unberechenbare Facette ab, wenn Menschen, die nicht unbedingt Feinde sein müssen, aus allen möglichen Richtungen kommen können und sich gegenseitig – auch mit Panzern – beschießen. In alter Genre-Manier hatte ich mich von Wand zu Wand geschlichen, wie man damit auch sonst Wachen aus dem Weg geht. Nur gibt es in einem Kriegsgebiet keine herkömmlichen Wachen und somit wurde ich von einem Trupp Soldaten aufgespührt, die selber auch von Wand zu Wand huschten. Man muss sich also an eine ganz andere Situation gewöhnen. Schön ist auch, wie dynamisch das Schlachtfeld ist. Die Kampfgebiete verlagern sich, wobei der Spieler eingreifen kann. Als sich die Kampfparteien auf einen festen Punkt festgesetzt haben, habe ich den Rebellen geholfen und ihre Gegner aus einer versteckten Position ausgeschaltet, damit die Leute weiter ziehen können und sich der Kampfschauplatz verlagert. Die Rebellen wiederum, da ich ihnen geholfen habe, sind mir dankbar und greifen mich nicht an, sollten sie mich entdecken. Zwischendurch fand ich eine Verkleidung, mit der ich mich als Soldat ausgeben konnte.
Am Ende von Kapitel 1 entspant sich die Situation und der Spieler infiltriert eine Armee-Basis. Die Abwechslung tut gut und macht Spass.

– Solid Sun
Das zweite Kapitel spielt ähnlich wie im ersten Kapitel in einem Kriegsgebiet, diesmal in Süd-Amerika. Gleich am anfang startet das Kapitel an einem Posten der Regierungs-Armee, die Rebellen gefangen genommen haben und diese hinrichten. Abseits von der moralischen Frage, ob der Spieler eingreifen sollte, kann der Spieler die Rebellen als ein Ablenkungsmanöver befreien. Dies ist wieder diese Interaktivität, die mir sehr gut an dem Spiel gefällt.
Nach dem ersten Bossgegner muss der Spieler die Fährte von einem Trupp Soldaten aufnehmen, was sich komplett anders als die vorherigen Abschnitte spielt. Der Spieler sucht Hinweise, mit denen er den richtigen Weg finden und sich nicht entdecken lassen muss. Hier zitiert sich MGS wieder selber. So gab es in Metal Gear 2 einen Abschnitt, in dem der Spieler einen Soldaten durch einen Wald-Labyrinth beschatten musste.
Danach folgt eine Verfolgungsjagd, die spielerisch nicht so gehaltvoll ist, aber bei dem das Spiel die Serie wieder zitiert – nämlich die Verfolgungsjagd am Ende von MGS1.

– Third Sun
Das dritte Kapitel erinnert auch wieder an eben genannter Stelle aus Metal Gear 2. In einer Ost-Europäischen Stadt, schon vom Setting her sehr abwechslungsreich zu den vorherigen Kapiteln, muss der Spieler einen Agenten beschatten. Hier wird wieder die Abwechslung deutlich, da sich diese Stelle wie kaum eine vorherige Stelle spielt. Auch muss der Spieler hier wieder versteckt eingreifen, wenn die beschattete Person von gegenrischen Soldaten aufgehalten wird. Leider ist dieser Spielabschnitt schon etwas lang und läuft immer gleich ab. Ich fürchte, man könnte sich durchaus langweilen, wenn man das Kapitel schon gespielt hat.
Ähnlich wie Kapitel 2 endet auch das dritte Kapitel mit einer Verfolgungsjagd, die nicht unbedingt ein spielerisches Highlight ist, aber wieder an die Vorgänger – in diesem Fall MGS3 – erinnert.

– Twin Suns
Das vierte Kapitel ist absolut magisch. Der Spieler muss Shadow Moses, die Basis aus MGS1, nach 10 Jahren wieder infiltrieren. Das Kapitel startet zunächst in einem Schneegebiet, in dem dem Spieler die Sicht durch einen Schneesturm erschwert wird. Hier auch wieder völlige Abwechslung zu den vorherigen Kapiteln. Wenn man aber an der alten, verlassenen Basis ankommt, der Sturm sich legt, das Schluss-Theme aus MGS1 – „The Best is Yet to come“ – anfängt zu spielen (ein Lied, das mir gar nicht mal so sehr gefällt, in diesem Moment aber unmöglich fehlen darf), dann ist das eines absoluten magischen Momente in der Spielewelt. Vor allem da die Zeit im Spiel – MGS1 spielte 2004, MGS4 im Jahr 2014 – der realen Zeit der Spielrelease entspricht – MGS1 erschien 1998, MGS4 2008, beides zehn Jahre. Man durchläuft automatisch jede Ecke, um zu kucken, was sich verändert hat und findet überall Zerfall. Dies steht auch wieder im Zeichen des Spiels, welches mit seinem alten, gebrechlichen Helden Snake und all den Zitaten, die aus MGS4 eine Art „Best Of“ machen, wie ein Schlusspunkt wirkt.
Etwas schade fand ich die Verwendung der kleinen Dwarf Gekkos, wobei ich die Dwarf Gekkos an sich – Robo-Kugeln mit drei Armen – für eine kleine Design-Katastrophe halte. An dieser Stelle ist es aber auch einfach unmöglich menschliche Gegner zu benutzen, da dies den Moment kaputt machen würde oder ihm zumindest etwas nehmen würde. Spannend empfand ich es aber, wenn plötzlich ein mächtiger Gekko, eine Art Mini-Metal Gear, aus dem Hinterhalt kommt und ich ihn irgendwie umgehen muss. Normale Soldaten wären einfach zu gewöhnlich.

– Old Sun
Zum Schluss wird im letzten Kapitel durch ein Kriegsschiff – auch wieder ein Zitat, in diesem Fall der Tanker aus MGS2 – nach guter, alter Art geschlichen, was MGS4 als Spiel schön abrundet.

Ansonsten haben mir insgesamt auch einige neue Spiel-Features sehr gut gefallen.
Neu ist der OctoCamo-Tarnanzug, der sich entsprechend der Umgebung selbstständig tarnt. Zunächst war ich sehr skeptisch. Das Tarn-Feature wurde in MGS3 eingeführt und dadurch, dass sich der Anzug selber tarnt, nimmt man den Spieler die Aufgabe ab seine Kleidung an die Umgebung dynamisch anzupassen. Wenn man aber ehrlich ist, ging dies aber auch nie über den Anspruch hinaus lediglich nur zu kucken, welche Tarnung gerade den höchsten Tarnindex hat. Dazu musste man dazu immer in das Menü herumeiern, wenn sich wieder mal der Untergrund geändert hat und dazu ist auch die Vorstellung schwer nachvollziehbar, dass sich die Figur im Dschungel auch immer umzieht. Der OctoCamo-Anzug beseitig das lästige (und eigentlich banale) Menü-Gefuchtel und macht auch in der Spielwelt Sinn.
Das Solid-Eye hatte mir auch gefallen. Ein Gadget, welches Nachsichtgerät und Fernglas bequem vereint und mir für zusätzlich Anzeigen dienlich sein kann.
Und als nette Erweiterung der IPod. Nicht nur hat man dieses Objekt wirklich 1 zu 1 mit der Menüführung übernommen, ich finde es ist auch eine sehr gute Idee einem Stealth-Spiel, bei dem der Spieler auch viel warten und beobachten muss, eine optionale, musikalische Auflockerung anzubieten. Auch hier wieder die Selbst-Zitate, wenn man sich zum kultigen Tara-Theme durch die feindliche Basis schleicht.

Nicht ganz so begeistern konnte mich die Beauty & Beast-Einheit, die die Endgegener in MGS4 sind. Gefallen hat mir der Gedanke eines Teams, welches Eigenschaften der Vorgänger-Bosse verbindet. Nur an der Umsetzung hat es für mich etwas gefehlt.
Rein spielerisch empfand ich die Gegner nicht wirklich anspruchsvoll und ich fragte mich häufiger, ob ich gerade „richtig“ Spiele. Ich hatte hauptsächlich nur wie blöde auf die Boss-Gegner geschossen, aber nie das Gefühl gehabt, die „richtige“ Strategie zu spielen. Wobei es anders als bei den Vorgänger wohl auch keinen Trick oder spielerische Easter-Eggs gibt, die man benutzen könnte. Das hatte mir bei den Vorgängern recht gut gefallen, da man sehr viele Items hatte und man mit diesen herumprobieren konnte. Erwähnenswertes Beispiel ist da der Kampf gegen The End.
Ansonsten hat mir der gedanke gefallen, den einzelnen Boss-Characteren jeweils eine Hintergrundgeschichte zu geben, was durchaus sehr wertvoll für eine Figur sein kann. In dem fall der B&B-Einheit war es dieser rote Faden um Kriegsopfer. Nur die Geschichten an sich waren so generisch und gleich. Es war immer das selbe Schema nach [Kriegs-Schauplatz X], [Traumatisches Erlebnis Y] und [Tier Z]. Es gab immer ein Trauma, nach dem die Figur etwas ganz schreckliches getan hatte und nicht sich selbst, sondern ein bestimmtes Tier als Täter gesehen hat. Die unterschiedlichen Facetten – wie das ständige Lachen, Schreien, Wut, Weinen – wirken dann auch eher, als hätte man [Emotion ABC] noch mit rauf geklatscht, obwohl auch es eigentlich auch interessant ist, unterschiedliche Facetten und Auswirkungen zu erforschen. Nur so blieb das ganze recht uninteressant.
Lowlight war für mich Crying Wolf. Eigentlich mag ich Sniper-Duelle, aber nachdem mir die Fusssoldaten ihrer Frog-Unit so genervt haben, habe ich mich unter dem LKW versteckt. Von dort aus kann ich nicht entdeckt oder verletzt werden und man brauche nur zu warten, bis der Gegner ins Visier läuft.

Insgesamt muss man sich nichts vor machen: MGS4 ist mit all seinen Selbstzitaten, Anspielungen und purer Masse an Verweisen auf vorherige Metal Gear-Spiele (und sogar Snatcher und Zone of the Enders) reiner Fan-Service. Man könnte sich darüber streiten, ob die Storyerzählung von MGS4 nicht zu sehr Film ist mit all seinen Zwischensequenzen und wie dies das eigentliche Spiel kaputt machen würde, aber MGS4 hat auch nicht den Anspruch mehr als blosser Fan-Service zu sein. Von daher ist es mir als MGS-Fan egal, ich habe mir darum keine weiteren Gedanken gemacht, habe das Spiel genommen, wie es ist, und hatte einfach Spass gehabt. Dazu wurde ich spielerisch von MGS4 auch sehr positive überrascht, da das eigentliche Spiel trotzdem sehr gut geworden ist. Ich bin sehr begeistert, wie Kojima es geschafft hat, dem Stealth-Genre noch mehr Facetten abzugewinnen mit dem Krieg-Thema und weiteren Ideen einzubauen. Auch wie Interaktive die Schauplätze in den abwechslungsreichen Szenarien ausgefallen sind hatte mir sehr gut gefallen. In dem Sinne ist MGS4 für mich – als MGS-Fan – ein sehr gelungenes Spiel geworden.

Ach, noch was: Ich stehe zwar auf geile Frauen mit ordentlichen Titten, aber einen BH hätte man Naomi trotzdem mal geben können :).

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