Metal Gear Solid – Gene

Dieser Artikel ist der erste, der zu einer neuen Kategorie gehört. Mit dieser neuen Kategorie will ich etwas schreiben, was sich wohl am ehesten als Interpretation beschreiben läßt. Ich möchte das zentrale Thema heraus suchen (oder zumindest, was ich dafür halte), zwischen den Zeilen lesen, hinter dem Spiel blicken und sehen, was die Message sein soll, was man mir sagen möchte – wenn es sowas gibt. Ich möchte den Spielen also so etwas wie Substance abseits der spielerischen Aspekte verleihen. Und ja, der Titel ‚Substance‘ ist geklaut, ‚Interpretation‘ klang aber irgendwie auch doof und scheint auch nicht genau das zu treffen, was ich vor habe.

Hiermit starte ich nun auch eine Nebenserie parallel zu den Reviews der Metal Gear-Teile, mit denen ich mich mit dem jeweils zentralem Thema beschäftigen möchte. Im Gegensatz zu den Reviews halte ich diese Serie aber chronologisch zu den Veröffentlichungsjahren der Metal Gear Solid-Spiele und nicht nach der inhaltlichen Abfolge der Spiele, da dies für das, was von meiner Seite noch kommt, zu wichtig ist.
Bezüglich Metal Gear Solid möchte ich mich dabei auf das Hauptthema beschänken, obwohl man noch das Thema um Atomwaffen ansprechen könnte.

Das zentrale Thema von Metal Gear Solid lautet ‚Gene‘ und umfasst unsere Gene, inwiefern unsere Gene uns beeinflussen und wie unsere Gene über uns bestimmen.

Eine wichtige Figur in diesem Kontext ist die Gen-Forscherin Dr Naomi Hunter. Sie wurde von Frank Jaeger in Sambesi, Afrika, gefunden und adoptiert. Wer ihre richtigen Eltern sind und woher sie kommt weiß sie nicht. Deswegen widmet sie sich der Gen-Forschung, um damit mehr über sich selbst zu erfahren, wie alt sie ist, woher sie kommt, wer ihre Eltern waren.
Ihrer Ansicht nach werden Menschen wie Solid Snake und Gray Fox von ihren Genen beherrscht. Diese Männer sind Soldaten und kämpfen ihr Leben lang, weil es in ihren Genen liegt. Deshalb überrascht es sie auch, wenn Snake sein Leben riskiert um damit Meryl zu retten und damit gegen seine genetische Bestimmung handelt. Schließlich hat er die Gene eines Soldaten und nicht eines Retters in sich.
Naomi Hunter läßt sich von ihren Genen bestimmen. Sie baut sich kein eigenes Leben auf, sondern widmet sich der Gen-Forschung, um dann ein von ihrer genetischen Abstammung bestimmtes Leben zu führen.

Genauso wie Naomi läßt sich auch Liquid von seinen Genen beherrschen. Er will eine Welt erschaffen, in der Männer wie er und Solid Snake respektiert und gebraucht werden. Eine Welt für Sölnder und Soldaten. Dies war der Traum von Big Boss, dessen Klone Liquid und Snake sind und dessen Gene in den Genom-Soldaten durch Gentherapie eingeplanzt wurden. Er glaubt erwählt zu sein und ist stolz auf seine genetische Veranlagung, in die er seine Bestimmung sieht.
Ihn treibt der Haß an zu glauben, der unterlegene Klon zu sein – das Abfallprodukt, damit der überlegene Klon geboren werden konnte. Während er glaubt alle unterlegenen Gene bekommen zu haben, bekam Solid Snake die dominanten. Deswegen eifert er Big Boss nicht nur nach, sondern will ihn übertreffen, um sich damit an ihn zu rächen.
Liquid verdeutlicht die genetische Bestimmtheit anhand von Snake. Snake versuchte ein friedliches Leben in Alaska zu führen und über seine posttraumatische Belastungsstörung hinweg zu komen. Er war schon lange vom aktiven Dienst zurückgetreten, lies sich für den Einsatz jedoch wieder rekrutieren. Und obwohl er nicht die ganze Wahrheit über seine Mission kennt und er weiß von seinen Vorgesetzten belogen zu werden, führt er den Auftrag bis zum Ende durch. Dies liegt laut Liquid an seinen Genen. Snakes Gene würden es ihm befehlen, ein guter Soldat zu sein und den Auftrag zu beenden.
Liquid ist der Meinung, dass man seine Gene nicht bekämpfen kann. Er beschreibt sie als Schicksal.

Das Thema um die Vorbestimmheit von Genen wird auch von den beiden Figuren Meryl Silverburgh und Hal „Otacon“ Emmerich gezeigt.
Meryl wollte schon immer Soldatin werden und zur Foxhound-Einheiten kommen, der ihr Onkel Roy Campbell und Snake angehörten. Ihr Vater war ein gefallener Soldat und Meryl glaubte, ihn als Soldatin besser verstehen zu können. Dabei hat sie aber versäumt sich selber kennen zu lernen. Meryl hatte Angst, sich ihr eigenes Leben aufzubauen. Anstelle selber zu bestimmen, hat sie sich stattdessen von ihrer genetischen Veranlagung führen lassen.
Otacon wurde Wissenschaftler und hatte die Nuklearwaffe Metal Gear REX entwickelt. Sein Großvater war am Manhattan-Projekt beteiligt und fühlte sich für den Rest seines Lebens schuldig. Sein Vater wurde am Einschlags-Datum der Hiroshima-Bombe geboren – in den siebziger Jahren, also während Peace Walker, war Otacons Vater Huey außerdem an der Entwicklung des Peace Walkers und Metal Gear ZEKE beteiligt. Otacon vermutet, die Entwicklung an Nuklearwaffen läge seiner Familie in den Genen.

Naomi Hunter glaubte, dass das Schicksal eines jeden Menschen in dessen Genen geschrieben steht. Sie wollte mehr über sich selbst erfahren, um dann heraus zu finden, welchen Weg sie im Leben einschlagen sollte. Aber sie erkannte jetzt, dass da noch mehr zum Leben gehört. Die Gene sagen nur etwas über das potentielle Schicksal eines jeden Menschen aus, aber sie bestimmen es nicht. So haben die Genom-Soldaten zwar die Gene der Legende Big Boss durch Gentheraphie in sich, aber das alleine würde sie nicht zu perfekten Soldaten machen. Man sollte sich nicht von den eigenen Genen beherrschen lassen, sondern sich selber sein Leben auswählen und es dann leben. Gene sind nur dafür da, um Hoffnungen und Träume weiter zu geben.
Darin liegt das Grundthema und die Hauptaussage von Metal Gear Solid. Die Befreiung von der genetischen Vorbestimmheit, um dan ein eigenes Leben zu wählen.

Am Ende von MGS1 erfährt der Spieler, dass in Wirklichkeit Liquid derjenige mit den dominanten Genen und damit der überlegene Klon war. Dennoch wurde er von Solid Snake, trotz der genetischen Bestimmung, besiegt. Dies verdeutlich die Nachricht, dass Gene alleine einen Menschen nicht ausmachen und in dem Menschen mehr steckt als nur blosse Gene. Snakes Kampf gegen Liquid kann als eine Metapher gesehen werden, in dem Liquid für die Vorbestimmtheit der Gene steht, während Snake für den freien Willen und gegen diese Vorbestimmheit kämpft.

Im Zusammenhang mit dem Oberthema der Gene spricht Metal Gear Solid dazu auch weitere Unterthemen wie das Klonen von Menschen und Genversuche an. Diese werden mit warnenden Beispielen dargestellt.
So wird Gray Fox gezeigt, der nach seinem Tod in Metal Gear 2 – Solid Snake als Cyborg Ninja wieder auftritt. Sein Körper wurde gefunden und wieder zum Leben erweckt. Danach wurde er mehreren Gen-Experimenten unterzogen. Als Folge daraus ist Gray Fox nur noch eine laufende Leiche, die sich nach dem Tod sehnt und unter Schmerzattacken leidet.
Die Genom-Soldaten, auf die man im Spiel trifft, sind auch Ergebnisse von Genexperimenten. Ihnen wurden die Gene von Big Boss durch Gentherapie verabreicht, um aus ihnen bessere Soldaten zu machen. Diese Gentherapien sind zurückzuführen auf Versuche, die während dem Golfkrieg gemacht wurden. Im Spiel wird damit eine fiktive Erklärung zum Golfkriegssyndrom und den Golfkriegsbabys gegeben.
Dazu erfährt man in Metal Gear Solid, dass Solid Snake und Liquid Snake Klone von Big Boss sind. Als Klone leiden sie aber wie auch die genetisch verbesserten Genom-Soldaten bezüglich der genetischen Variabilität unter Asymmetrie. Solange sich eine Spezies nicht an ihrer Umgebung anpasst, wird sie aussterben. Dies kann durch eine Krankkheit passieren, an das sich das Immunsystem nicht angepasst hat. Ausgestorbene Arten zeigen Anzeichen von Symmetrie auf. Weil Klone wie Liquid und Snake eine genau Kopie von Big Boss und seinem Immunsystem sind, können sie irgendwann durch einen Virus sterben, an dem sie sich nicht anpassen konnten.
Passend dazu stirbt Liquid am Ende des Spiels an den Virus FoxDie, welcher künstlich hergestellt wurde. FoxDie ist ein Virus der bestimmte Menschen mit Herzversagen tötet. Ihm werden dazu bestimmte Gen-Sequenzen „einprogrammiert“, an die das Virus Zielpersonen identifizieren kann. Dies ist gar nicht so unrealistisch, da es heutzutage ethnische/ biogene Waffen als Unterform der biologischen Waffen gibt, die die genetischen Untschiede verschiedener Ethnien erkennen können.

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