Metal Gear solid – The Twin Snakes

Metal Gear Solid erschien 1998 für die PlayStation und war der erste Teil der Metal Gear-Reihe in 3D, wobei es ursprünglich als Metal Gear 3 für den 3DO Interactive Multiplayer 1994 vorgesehen war. 1999 wurde das Spiel als Metal Gear Solid – Integral in Japan neu aufgelegt. Integral war eine erweiterte Fassung, die neben dem eigentlichen Spiel noch eine 2. CD mit über 300 Virtual Reality-Trainingsmissionen beinhaltete. Außerhalb Japans wurde diese 2. CD als Metal Gear Solid: VR Missions in Nordamerika und als Metal Gear Solid: Special Missions in Europa veröffentlicht.
Metal Gear Solid spielt um das Jahr 2005 und handelt wieder von Solid Snake, der aus seinen Ruhestand geholt wird, um Geiseln aus dem Atommüll-Lager Shadow Moses zu retten. Die Geiselnehmer drohen mit einem nuklearen Angriff, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden.

Im Jahr 2004 folgte dann ein Remake, exklusive für den Gamecube. Es wurde von Silicon Knights entwickelt, die u.a. auch durch Eternal Darkness bekannt wurden, welches ebenfalls exklusive für den Gamecube erschienen ist. Das besondere an dem Remake ist, dass es technisch und spielerisch Elemente von Metal Gear Solid 2 bietet, aber inhaltlich Metal Gear Solid geblieben ist.
Der Spieler infiltriert also Shadow Moses in schönerer Graphik und kann aus der Ego-Perspektive schießen und damit auch Sicherheitskameras deaktivieren, Betäubte oder getötete Wachen verstecken oder sich an Vorsprüngen hangeln. Auch extra Features wie ein Boss Survivor-Mode, bei dem der Spieler gegen die Boss-Gegner hintereinander antritt, und sammelbare Dog Tags gibt es.
Insgesamt ist es aber fraglich, inwiefern Twin Snakes mit diesen Features das bessere Spiel geworden ist. Auch gibt es im Spiel ein paar Änderungen, die das Spiel nicht wirklich verbessern.

Zunächst wurde das Briefing abgeändert. Im Original konnte man sich Überwachungs-Bänder ankucken, in denen Snake – nackt – von Colonel Campbell Informationen zum Einsatz bekommt. Die ganzen Videos sind sehr düster gehalten, scheinen in einer Zelle zu spielen, haben einen Rotstrich und stimmen auf den kommenden Stealth-Einsatz ein. In Twin Snakes hingegen hat man auch wieder Überwachungsvideos mit einem Rotstrich, aber diesmal sind es nur die Polygon-Figuren der Charactere, die ihr Briefing in einer Krankenstation halten. Und die Szenen sehen echt nicht gut aus, bzw. sehr unspannend und teilweise auch unfreiwillig komisch, wenn man den Figuren in ihren immer gleichen Posen zusieht. Dabei wurden auch die Einblendungen (Gebietskarten, Figuren-Profile) nicht übernommen, was damals noch ein schönes Nebendetail war, um den Spieler mit mehr Informationen zu versorgen.
Rein spielerisch begrüße ich in jedem Fall die Idee, die Features aus dem aktuellen Teil zu nehmen und damit den alten Titel up to date zu bringen. Problem dabei ist aber, wie sehr das eigentliche Spiel vereinfacht wird. So kann man ganz am anfang ein Stück des Levels übersrpingen, indem man sich an einem Geländer runterhangelt.
Seltsam auffallen tut dabei auch ein weiteres neues Feature von Twin Snakes. Als erstes Metal Gear der Reihe können die Wachen nun Fuss-Schritte des Spielers hören, wenn er läuft – früher passierte das nur bei bestimmten Untergrund, wie Pfützen oder spezielle Bodenplatten. Man muss sich also langsam an die Wachen anschleichen, was jedoch das Konzept hinter den besonderen Bodenplatten überflüssig macht. Wozu gibt es diese Platten, wenn der Gegner nun eh meine Schritte hören kann?
Für Twin Snakes wurde außerdem eine neue Synchro mit den alten Sprechern aufgenommen. Bezüglich Metal Gear Solid habe ich nie die englischen Original-Sprecher gehört, sondern nur die deutsche Version. Die deutsche Version gilt jedoch allgemein als Witz. Angeblich soll Konami für die deutsche Lokalisierung einen riesigen Aufwand betrieben haben, aber die Charactere klingen meistens sehr albern. Dennoch haben mir beim Vergleich mit Twin Snakes die deutschen Stimmen teilweise doch besser gefallen. Liquid Snake ist in der deutschen Version sehr Over the Top gesprochen und wirkt in den einfachsten Dialogen albern. Im englisch-sprachigen Twin Snakes wiederum wird er mit einem britischen Akzent gesprochen – womit ihn nur noch der Schnauz-Bart für den Klischee-Bösewichten fehlt – und der Wahnsinn, der ihm in der deutschen Version mit der Over the Top-Darstellung verliehen wurde, fehlt komplett. Vulcan Raven, ein muskolöser Schamane, hatte in der deutschen Version eine höhere Stimme als in Twin Snakes und wirkte damit nicht nur wie der übliche Brüll-Gorilla, sondern auch wesentlich intelligenter, was durchaus zu seiner Person und seinen Dialogen passt. Klar, insgesamt ist die deutsche Synchro noch immer ein Witz, aber einige Charactere sind doch besser gelungen als in Twin Snakes. Ob auch besser als im englischen Original weiß ich nicht.
Dann ist da das absolute Streit-Thema – die neuen Zwischensequenzen. Die Zwischensequenzen wurden von Ryuhei Kitamura neu aufgelegt. Er hatte sich zunächst an das Original halten wollen, aber Kojima wollte von ihm, dass er den Zwischensequenzen seinen eigenen Stil aufdrückt – was ich von einem künstlerischen Standpunkt aus für vertretbar halte. Die neuen Zwischensequenzen sind aber nun völlig übertrieben und damit stellenweise leider unpassend. So schießt Snake einen Hind D mit seinem Raketenwerfer ab, während er sich von einer fliegende Rakete abspringt. Um ungesehen an einer Tür vorbei zu kommen, sprint er einen seitlichen Salto über den Türrahmen hinweg. Solche Aktionen sind durchaus schön und gut bei Figuren wie dem Cyborg Ninja, bei dem solche Aktionen zum Character im Spiel und auch im Original passen und dazugehören. Aber mit Snake kann man im Spiel nichtmal springen, geschweige denn selber solche Aktionen durchführen. Überhaupt passt es auch nicht zum Character Snake, wenn er wütend eine Waffe an einer Geisel hält, weil diese eine Zahlenkombination vergessen hat. Außerdem geht mit dieser übertriebenen Aktion auch Spannung verloren. Im Original war Snake am Ende des Spiel unter einem Jeep eingeklemmt, während Liquid über ihn steht und eine Waffe an den Kopf hielt. Damals war es spannend, weil die Situation so ausweglos erschienen ist. In Twin Snakes hingegen würde Snake einfach drei, vier Backflips springen und Blitze würden aus seinen Hintern schießen und auf irgendeine sportliche Art würde er sich schon retten können.

Dies sind einige Punkte, die Twin Snakes für mich schlechter als das Original gemacht haben. So kann ich mich immer noch nicht so recht entscheiden, welche Version mir besser gefällt. So vollkommen schlechter als das Orignal ist Twin Snakes nämlich auch nicht.
Da wäre natürlich die Graphik. Ich bin zwar kein Mensch, der sonderlich viel auf Graphik gibt und diesbezüglich bestenfalls nur rudimentäre Aussage von mir gebe, aber gerade den früheren 3D-Spielen, wie es sie auf der alten PlayStation gegeben hat, steht eine graphische Auffrischung sehr gut. Metal Gear Solid ist da so ein Beispiel, bei dem die Charactere nicht mal wirkliche Gesichter hatten.
Gefallen hat mir auch der Soundtrack. Es finden sich im Spiel keine 1 zu 1-Umsetzungen, sondern neue Stücke, wobei es einige Remixes zu älteren Titeln des Originals gibt. Als Kenner des Originals freut man sich daher über einige bekannte Stücke in neuer Form.
Obwohl nicht alle neuen Spiel-Feature eine Bereicherung für das Spiel darstellen, gibt es schon einige Verbessungen gegenüber dem Original. So hat mir die Möglichkeit gefallen Sicherheitskameras oder Endgegner per Ego-Sicht abschießen zu können oder die Dog Tags, die dem Spiel noch einen Sammeltrieb geben. Mit solchen Kleinigkeiten wird das Spiel abgerundet, wohingegen an manchen anderen Stellen neue Ecken eingehauen werden.

Unterm Strich würde ich wohl doch eher dem Original den Vorzug geben. Dabei stören mich einfach zu sehr ausgerechnet die Sachen, die weder in MGS1 noch in MGS2 implementiert waren, sondern neu in Twin Snakes aufgenommen wurden, wie etwa die neuen Zwischensequenzen, das neue Briefing und die nun hörbaren Fussschritte.

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