Metal Gear Solid – Portable Ops / Peace Walker

Eigentlich hatte ich nicht vor über Portable Ops zu schreiben. Teufel, ich hatte es bei meinem MGS-Marathon auch nicht gespielt. Aber ich merkte, wenn ich über Peace Walker schreiben will, komme ich an Portable Ops nicht herum. Also dann mal los, ein kleines Double-Feature zu den beiden Titeln:

Portable Ops erschien anfang 2007 für die PSP und spielt 6 Jahre nach Snake Eater, 1970, in San Hieronymo Peninsula, Kolumbien. Portable Ops war das erste „richtige“ Metal Gear für die PSP. Die beiden vorherigen Metal Gear-Spiele waren Metal Gear Acid 1 und 2. Dies waren Kartenspiele, die inhaltlich nichts mit der Serie zu tun hatten und die ich deswegen auch nicht weiter berücksichtige. Der Sinn hinter den Kartenspiele war jedenfalls der Gedanke auf einer portablen Konsole – welche unterwegs im Bus, an der Uni, in der Mittagspause und so weiter gespielt werden kann (mag für den einen oder anderen komisch klingen, aber in unsere Handheldkultur unterscheidet wir uns von den Japaner) – nicht das selbe, epische Spielerlebnis haben zu können wie bei einer Heimkonsole und man daher ein Spiel in Häppchen anbieten möchte. Nach den beiden Metal Gear Acids wurden Kojima Production beauftragt einen Team Shooter für die PSP zu entwickeln und man entschied sich, diesem Spiel ein MGS-Thema zu verpassen. Heraus kam Portable Ops, welches eher nebenbei und nicht unbedingt als ein vollwertiger MGS-Ableger entwickelt wurde.

Portable Ops sollte das fehlende Bindeglied zwischen Snake Eater und dem ersten Metal Gear sein und die Entwicklung von Naked Snake zu Big Boss thematisieren. So steht im Zentrum der Erzählung Big Boss, der nach der Operation Snake Eater noch immer nicht The Boss und ihre Entscheidung verstehen kann.

Ein wichtiges Thema ist auch wie Big Boss eine Armee aufbaut und Einheiten rekrutiert. Dies ist auch das Spiel-Element von Portable Ops, welches mir grundsätzlich gefallen hat. In den Levels kann man nämlich betäubte Wachen zu einen Truck schleifen oder zu einem helfenden Kameraden und er wird sich nach einiger Zeit dem Spieler anschließen. Dabei gibt es verschiedene Einheiten wie Soldaten oder Ärzte, die man einsammeln kann. Danach kann man die Truppen je nach ihren Eigenschaften in verschiedenen Tätigkeits-Bereichen einsetzen, wie in den Kampftrupps, mit denen man Missionen bewältigen kann. Als nettes Detail haben Truppen je nach ihrer Profession (Soldat, Arzt, Offizier) ein unterschiedliches Aussehen und fallen dadurch in bestimmten Levels nicht auf und der Spieler kann sich mit diesen Characteren frei bewegen – wenn er sich nicht verdächtigt verhält. Dazu kann man die Truppe aber auch für Spionage einteilen, zur medizinischen Unterstützung oder Waffenforschung. Leider ist die Umsetzung der Rekrutierung an sich nicht ganz so optional gelungen und es wirkt auf Dauer umständlich und mühselig, die Soldaten zu dem LKW oder einem helfenden Kameraden zu schleifen.
Gefallen hat mir die Möglichkeit besondere Charactere zu rekrutieren, also alle Boss-Gegner, Figuren aus Snake Eater und sogar die beiden Hauptcharactere aus Metal Gear Acid 1 und 2. Dies wiederum geht dann aber auf Kosten der Kanonität und Glaubwürdigkeit, wenn man die Missionen mit den eigentlichen Endgegnern abschließt oder man mit seltsamen Story-Wendungen auf die Charactere aus dem Vorgänger Snake Eater trifft. So trifft man den Ingeneur Sokolov, der eigentlich in Snake Eater getötet wurde, aber dank einer Scheintod-Pille sich nur tot gestellt hat – na klaro. Davon ab ist es eine nette Abwechslung, auch mal besondere Charactere unter den eigenen Truppen spielen zu können.

Ansonsten ist Portable Ops eines der schwächeren Metal Gear-Spiele. Dies liegt zum einen an den Levels, die alle sehr quadratisch zurechtgebastelt sind. Als Engine diente die selbe Engine, mit der das erste Metal Gear Online aus Metal Gear Solid 3 – Subsistence zurecht geschustert wurde. In dem Sinne hat man in Portable Ops nur vergleichbare Baukasten-Levels ohne größere Highlights.
Die Story ist in Portable Ops auch eher schwach. So werden typische Metal Gear-Storypunkte kopiert und mit unpassenden Elementen erweitert. So handelt der Plot von Snakes ehemaliger Einheit, die Fox-Unit, die revoltiert und eine geheime Waffe in Petto hat, wie es auch aus jeder anderen Metal Gear-Fan Fiction stammen könnte, die unoriginell die Vorlage kopiert um damit aus blankem Fanboy-tum heraus der Vorlage treu zu bleiben und dabei nicht erkennt, der Vorlage doch keinen Gefallen zu tun und lediglich nur dem eigenen Bedürfnis nach „Mehr wie vorher“ zu stillen. Dazu auch der Auftritt von Serienfigur Frank Jaeger, was in Portable Ops aber die eigentliche Hintergrundgeschichte um ihn herum kaputt macht. Überhaupt hat in Portable Ops scheinbar jede Figur ein Gimmick und eine Superkraft, was in den Metal Gear-Spielen gerne mal vorkommt, aber auch kein elementare Bestandteil ist. Vor allem hatte ich in Portable Ops aber auch das Gefühl, dass die eigentliche Reihe nicht erweitert wird und zu der Meta-Ebene der Spiele (zu der ich noch komme) nichts beigetragen wird.

Portable Ops ist jedenfalls kein schlechtes Spiel, aber schon eines der schwächeren Metal Gear-Spiele.

Der PSP-Nachfolger Peace Walker erschien mitte 2010 und wurde anfang 2012 innerhalb der Metal Gear Soid HD Collection neu augelegt. Es spielt inhaltlich 1974 in Costa Rica und handelt wieder von Big Boss. Peace Walker hätte das reguläre Metel Gear Solid 5 sein können und wurde zeitweise auch als solches bezeichnet. Es scheint aber vor allem das Spiel zu sein, welches Portable Ops eigentlich hätte sein sollen. So werden sämtliche Elemente von Portable Ops übernommen und besser und größer umgesetzt.

Vor allem wird Portable Ops inhaltlich von Peace Walker völlig verdrängt. Noch deutlicher als „Finally, we can leave all that crap in San Hieronymo [der Handlungsort von Portable Ops] behind…“ kann man es in In-Game nicht sagen.
So ist ein Haupt-Thema von Peace Walker wieder The Boss und die Frage, warum sie ihre Wahl in Snake Eater getroffen hat. In Portable Ops wurde dies aber schon thematisiert und Big Boss ist am Ende von Portable Ops zu einer Antwort gekommen. In Peace Walker beschäftigt in diese Frage aber doch noch.
Desweiteren hat sich Big Boss eine Armee aus den Soldaten von San Hieronymo zusammengebaut und gelangte außerdem im Portable Ops-Abspann zu einer enormen Geldsumme, die seinen Söldnerstaat Outer Heaven finanzieren sollte. In Peace Walker hingegen lebt er mit einer handvoll Soldaten er an einem runtergekommenden Strandhaus als Basis und sie nennen sich Militaires Sans Frontières (MSF). Weil ihnen kaum noch Geld und Mittel bleiben, nimmt Big Boss den Auftrag an, der zu den Ereignissen von Peace Walker führt. Was wiederum mit der Armee und dem Geld aus Portable Ops passiert ist, wird nicht weiter thematisiert.

Das Hauptthema von Peace Walker ist wieder das Rekrutieren von Einheiten, bzw. das Aufbauen eines kleinen Soldaten-Trupps zu einem Soldaten-Staat, wie in Portable Ops, nur in besser. So wird während dem Spiel die neue Basis, die anfangs nur aus einer kleinen, verlassen Ölbohrinsel besteht, um weitere Plattformen wie einer Landebahn weiter ausgebaut. Rein spielerisch hat das leider keinen Nutzen und man hat keinen Einfluss, aber es ist beeindrucken, wenn die kleine Insel am Anfang des Spiels zu einer monströsen Basis werden.
Ansonsten wurde die spielerische Seite in Peace Walker enorm aufgewertet, wie etwa die Rekrutierung an sich. Anstelle wie bei Portable Ops die Einheiten zu einem bestimmten Punkt in der Karte zu schleifen, besitzt der Spieler nun das Fulton Revocer System. An betäubten Wachen oder Gefangenen wird ein Ballon befästigt, der mit ihnen aufsteigt und von einem Flugzeug abgeholt wird. Das mag zwar nicht immer ganz logisch sein, wenn zum Beispiel das Fulton Recovery System in einer unterirdischen Anlage verwendet wird, aber selbst im Spiel wird die Idee etwas auf dem Arm genommen. Immerhin vereinfacht es ein Spielelement, welches sonst unnötig zu viel Zeit in Anspruch genommen hat.
Zusätzlich zum menschlichen Personal kann der Spieler nun auch Fahrzeuge bergen. So gibt es einige Missionen, in dem der Spieler gegen eine Einheit plus Fahrzeug (Panzer, Hubschrauber) antritt. Wenn der Spieler das Fahrzeug nicht zerstört, indem er die Einheiten ohne Alarm beseitigt, bekommt er das Fahrzeug. Hierbei muss ich aber kritisieren, dass diese Missionen immer in den selben drei Gebieten stattfinden und sehr monoton werden. Die Fahrzeuge unterscheiden sich hauptsächlich in dem Fahrzeug-Typus, ansonsten variiert die Anzahl der begleitenden Einheit, was die Missionen wiederum nur in die Länge zieht.
Diese Missionen gehören größtenteils zu den Extra Ops. Dies sind zusätzliche Missionen, die der Spieler neben der Hauptstory, den Main Ops, absolvieren kann. Dabei gibt es verschiedene Missionsarten, wie alle Wachen in einem Gebiet ausschalten, einen Gefangenen retten oder die angesprochenen Missionen mit den Fahrzeugen.
Dann gibt es noch die Outer Ops. Rekrutierte Soldaten und geborgene Fahrzeuge lassen sich nämlich nach Konfliktgebieten verschicken, um dort Aufträge auszuführen, was dem Spieler wiederum Items einringt. Abseits vom spielerischen Element verdeutlich sich das Gefühl eines riesigen Unternehmens, in dem der Spieler seine Einheiten landesweit expordiert und somit noch weiter wächst.
Daneben hat der Spieler aber auch noch neben der Waffenentwicklung diesmal die Möglichkeit, einen eigenen Metal Gear zu bauen. Er muss dazu im Spiel KI-einheiten und Material für u.a. die Beine, den Kopf oder optionale Teile wie zusätzliche Panzerung oder einer Railgun sammeln. Damit erweitert der Spieler also die MSF-Organisation um eine mächtige Waffe, die auch für die Outer Ops-Missionen genutzt werden kann.
Ansonsten gibt es neben den vielen Missionen auch sehr viele Briefing-Gespräche, die der Spieler sich anhören kann. Zunächst war ich etwas angenervt, weil es inhaltlich sehr viel ist. Auf der anderen Seite hat man auch selber Schuld, wenn man sich in einem Spiel zu sehr mit optionalen Sachen beschäftigt, auf die man gerade keine Lust hat. Also, wozu sich über zuviel Inhalt beschweren? Die Briefin-Dateien versorgen den Spieler jedenfalls mit Informationen über die Metal Gear-Welt und stellen auch Bezüge zu realen Ereignissen auf, wie die Person Che Guevara (dem Big Boss in Peace Walker nicht zufällig ähnlich sieht, Japans Friedenspolitik und Mittelamerikanische Geschichte. Gerade diese realen Bezüge waren schon immer eines der Stärken der Metal Gear-Reihe. Auch wenn man sich nicht unbedingt für diese Themen interessiert, bilden sie doch irgendwie einen Anker, der die Spiele neben den Over The Top-Elementen wieder auf den Teppich bringt.
Peace Walker ist jedenfalls das umfangreichste Metal Gear mit vielen Neben-Aufgaben. Insgesamt war ich 150 Stunden mit Peace Walker beschäftigt.

Ein Zeichen gegenüber Portable Ops scheint Peace Walker aber auch mit den Characteren zu setzen.
So gibt es in Peace Walker viele neue Character, aber im Gegensatz zu Portable Ops sind es keine Comic-Figuren, die alle eine besondere Fähigkeiten haben. Es sind stattdessen normale Menschen wie die Widerstandkämpferin Amanda, der zwöfljährige Chico oder die KI-Wissenschaftlerin Strangelove, die in Peace Walker auftretten. Hierbei aber ein kleiner Manko im Spiel: Man hat zwar spezielle Personen innerhalb der Einheiten, im Gegensatz zu Portable Ops kann man diese aber nicht für Missionen verwenden, was ich etwas schade finde. Man kann nur Snake oder einen generischen Soldaten, männlich oder weiblich, auswählen. Die aber auch noch unpassend zu ihren Character-Profilen alle gleich aussehen. Stattdessen gibt es nur polygonale Bikini-Modelle von den weiblichen Story-Characteren. Das ist etwas wenig.
Im Gegensatz zu Portable Ops gibt es in Peace Walker auch keine menschlichen Boss-Gegner mehr. Diesbezüglich kämpft der Spieler nur gegen KI-gesteuerte Einheiten, wie den namensgebenden Peace Walker. Schlimm empfand ich dies absolut nicht, da der Spieler wie in anderen Metal Gear-Spielen auf Bewegungsmuster und bestimmte Weak-Spots achten muss. Daneben besitzen die KI-Einheiten genug Sprach-Files, um den Anschein einer Persönlichkeit zu erwecken.
Beides scheint mir wie gesagt ein Zeichen gegenüber Portable Ops zu sein, wonach es nicht zum Wesen der Metal Gear-Reihe gehört mit jeden Teil eine neue Anzahl an Freaks zu schaffen. Peace Walker verzichtet nicht nur in der Handlung komplett auf diese Charactere, sondern verzichtet sogar aus spielerische Sicht in Form von Boss-Kämpfen.

Beim Vergleich zu Portable Ops muss man auch unbedingt die Levels an sich erwähnen. Im Gegensatz zu Portable Ops gibt es in Peace Walker keine starren Baukasten-Levels mehr, sondern offenere, rundere Gebiete, die aus mehreren Levels bestehen. Zwar fällt Peace Walker im Vergleich zu Snake Eater etwas ab und bietet eher kleinere Levels, was aber an der schwächeren Hardware der PSP liegt.
Genauso epischer wirkt auch die Handlung in Peace Walker. Während Portable Ops eher wie ein Zusammen-Klauben von Metal Gear-Element wirkt, wirkt Peace Walker sehr frisch. So haben wir Big Boss, der um einen zunächst klein wirkenden Auftrag gebeten wird, diesen aber annimmt, weil er und seine Militaires Sans Frontières Geld brauchen und er noch immer nicht mit seiner Vergangenheit und The Boss abschließen konnte. Im Gegensatz zu Portable Ops und den anderen Metal Gear-Teilen besteht die Motivation also nicht daraus, der Mann zu sein, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist und als einziger Held die Welt retten kann. Großes Lob verdient auch wieder der Snake-Sprecher David Hayter, der besonders gegen Schluss dem Helden Big Boss eine ungeheure Verzweiflung mit gibt und man auf diese Weise einen geschundenen und verzweifelten Big Boss erlebt, der abseits der Serien-typischer Folter und Torturen unter physischen Druckes steht.

Schließlich könnte man sich fragen, warum Peace Walker nicht der reguläre fünfte Teil der Serie geworden ist. Ich denke dieser Umstand ist dem Konzept geschuldet ein portables Metal Gear-Spiel zu sein. Obwohl Peace Walker über eine fabelhafte, spannende und auch schon epische Handlung verfügt, wirkt es wegen der Missions-Strukturierung und den Comic-Zwischensequenzen doch wieder nur wie ein Nebenkapitel, als eine richtige Fortsetzung.
Davon ab lohnt sich Peace Walker, welches möglicherweise sogar das beste Spiel auf der PSP ist, auf jeden Fall. Für mich persönlich gehört es jedenfalls zu den besten Titeln der Metal Gear-Reihe.

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