Metal Gear Solid 3 – Snake Eater / Subsistence (HD)

Zunächst einige trockene Fakten:

Metal Gear Solid 3 – Snake Eater erschien in Europa anfang 2005 und die Erweiterte Subsistence-Fassung ende 2006. Anfang 2012 wiederum erschien eine Umsetung für den Nintendo 3DS, Metal Gear Solid – Snake Eater 3D, und die Metal Gear Solid HD Collection, welches unter anderem auch eine leicht gekürzte Version von Metal Gear Solid 3 – Subsistence enthält.
Die Subsistence-Fassung besteht aus drei DVDs. Da wäre zum einen ‚Subsistence‘, welche das eigentliche Spiel enthält mit einer zusätzlichen, freischwänkbaren 3rd Person-Kamera. ‚Persistence‘ wiederum bietet mehrere Goodies, wie die beiden Ur-Teile Metal Gear und Metal Gear 2 – Solid Snake, die 1987 und 1991 für den MSX erschienen sind. Dazu kommen aber auch noch der Metal Gear Online-Mode, für den die Server mittlerweile aber abgeschaltet wurden, sowie einige „geheime“ Zwischensequenzen, die eher eine Parodie zum eigentlichen Hauptspiel sind. Die DVD ‚Existence‘ wiederum ist das komplette Spiel in Filmform, in dem die Zwischensequenzen und Spielmomente zu einem Film geschnitten wurden.
Auf der HD Collection wiederum befindet sich nur das Hauptspiel mit der freien Kamera-Option sowie die beiden MSX-Titel.
Die Handlung von Metal Gear Solid 3 spielt zur Zeit des kalten Krieges, 1964. Damit spielt MGS3, welches eigentlich der 5. Teil der Metal Gear-Reihe ist (Metal Gear 1 + 2 sowie Metal Gear Solid 1 + 2 als Vorgänger), vor allen anderen Teilen.
Man spielt Naked Snake, der im Verlauf der Reihe zum Foxhound-Kommandeur und Anführer der Outer Heaven- und Zanzibar-Aufstände Big Boss wird und aus dem der spätere Serien-Held Solid Snake geklont wird. Naked Snakes Mentorin The Boss läuft mit ihrer Spezialeinheit, die Cobra Unit, und einer Atomwaffe zum russischen Extremisten Volgin über. Nachdem The Boss für die Explosion der Atomwaffe auf russischem Boden beschuldigt wird, wird Snake als ihr bester Schüler beauftragt seine ehemalige Mentorin umzubringen und damit Amerikas Unschuld zu beweisen.

Man muss Hideo Kojima einfach dafür respektieren, dass er nicht den einfachen Weg geht und nicht – wie es mit so vielen anderen Serien in der Spielebranche der Fall ist – die erfolgreichen Vorgänger lediglich nur kopiert, sondern etwas anderes entwickelt. Im Gegensatz zu den beiden Metal Gear Solid-Vorgängern, in denen der Spieler durch die Gängen von Anlage-Stationen schleicht, spielt der 3. Teil nämlich größtenteils im russischen Dschungel und hebt sich dadurch enorm von den Vorgängern ab. Dazu kommen neue Spiel-Elemente, die die Survival-Aspekte hevorheben.
So muss der Spieler Verletzungen wie Brüche oder Schusswunden versorgen. Die Lebens-Leiste an sich kann nicht durch den Spieler wiederhergestellt werden, sondern füllt sich unterschiedlich schnell je nach Stand der Ausdauer-Leiste, die ebenfalls neu integiert wurde, wieder auf.
Die Ausdauer-Leiste wiederum kann wiederhergestellt werden, indem der Spieler Nahrung zu sich nimmt. Nahrung kann der Spieler finden oder jagen. Je nachdem was der Spieler zu sich nimmt, füllt sich die Ausdauer auch unterschiedlich wieder auf, je nach Geschmack der Nahrung, wobei auf dem Zustand der Nahrung zu achten ist. Vergammelte Schlangen oder Fische können zu einer Lebensmittelvergiftung führen.
Dann wäre da noch der Camo-Index. Der Spieler kann die Tarn-Uniform und -Gesichtsbemahlung ändern. Je nach Umgebung sorgt dies zu einem unterschiedlichen Tarn-Index. Je höher der Index, desto „unsichtbarer“ ist der Spieler.
Gerade dieses neue Setting und die Spiel-Innovationen sind es, die MGS3 für mich zu einem der besseren Spiele der Serie macht. Das Spiel wirkt damit heute noch sehr frisch und einmalig, sogar außerhalb der Metal Gear-Reihe. Denn es macht Spass, im Dschungel nach neuer Nahrung in Form von Tieren und Obst ausschau zu halten. Es ist herausfordernder, wenn ich mich nur verarzten, aber keine Rationen verballern kann, um mich wieder aufzufrischen. Und es bringt etwas Tiefe ins Spiel, wenn ich flexibel meine Tarnung an die Umgebung anpassen muss.

Etwas unentschlossen bin ich mir bezüglich der Story. Die Handlung ist wesentlich vereinfacht gegenüber dem Vorgänger und leichter zu folgen. Es wird eine spannende Geschichte erzählt über die Welt zur Zeit des kalten Krieges mit einigen Daten sowie über Treue und Loyalität. Dabei entfalltet sich eine epische Geschichte. Ich frage mich aber, ob MGS3 nicht einfach nur ein packendes Epos erzählt und den Anspruch zu sehr fallen gelassen hat.
In jedem Falle werten die Charactere das Spiel auf. Durch die Vorgänger kann sich der Spieler schon eine Vorstellung von Naked Snake machen. Wenn man ihn dann im Spiel kennen lernt, ist er zwar der professionelle Soldat wie man ihn erwartet, aber er wirkt auch sehr verunsichert. Er will diese Missionen eigentlich nicht durchführen und er ist sich nicht, was er machen soll und was richtig wäre. Daneben gibt es vermutlich keine andere Spielfigur in der Spiele-Welt, die so sehr leiden muss wie er. Im Spielverlauf werden ihm Knochen gebrochen, er landet nach dem Prolog im Krankenhaus, er wird zusammengeschlagen, mit Elektroschocks gefoltert und verliert ein Auge. Er ist kein Superman, der aus allem mit einem sauberen, weißen Hemd und einem Lächeln im Gesicht entkommt, was ihn wiederum für mich sehr sympathisch machte. Und er ist auch kein universeller Alleskönner. Gerade in Beziehung mit EVA wirkt er sehr unsicher, zurückhaltend und geradezu verschüchtert. Er ist kein Frauenheld, wie man durch seinen Klon Solid Snake vermuten könnte.
EVA wiederum ist auch eine sehr gelungene Figur. Normalerweise störe ich mich sehr an den typischen Love Interests aus Filmen oder Spielen, weil diese meist unnötig auf vorhersehbare und platteste Art versuchen die Handlung noch irgendwie zu strecken und mehr Spannung, die nicht wirklich aufkommt, zu verleihen und aus den Helden (nicht vorhandene) sympathische Seiten zu zeigen. EVA empfand ich diesbezüglich angenehm anders, da sie ihre Existenz-Berechtigung auch abseits des typischen Prinzesschen hat und vor allem die Beziehung zwischen ihr und Snake langsam und glaubwürdig erzählt wird und es nicht sofort zwischen den beiden Characteren funkt. Auch leidet sie nicht wie so viele andere Spiele-Frauen unter dem „Beulen-Syndrom“, welches für extreme Schwellungen an Brust und Hintern sorgt, und hat einen realistischeren Köprerbau. Klar läuft sie nicht gerade selten sehr freizüg herum mit ihren schwarzen Bikini und dem sehr offenem Overall, aber gerade dies macht auch innerhalb der Story Sinn, da sie die Schlange verführen soll.
Erwähnenswert sind auch Revolver Ocelt und The Boss. Es macht Spass, den noch sehr jungen Ocelot zuzusehen und seine Entwicklung zu beobachten. Wenn wiederum The Boss nicht nur Naked Snake, sondern auch noch Oberbösewicht Volgin zu Boden schmeißt und als einzige im Raum noch steht, nimmt man ihr ihren Ruf als Legende vollkommen ab. Sie wird nicht umsonst ‚Boss‘ genannt. Dabei fällt es wie Snake immer schwerer, den Auftrag bis zum Ende auszuführen.
Nicht ganz so gelungen sind wiederum Volgin und die Cobra Unit, bestehend aus den Mitgliedern The Pain, The Fear, The End, The Fury und The Sorrow. Bei Volgin musste ich eben tatsächlich nochmal nachkucken, was er eigentlich will. Scheinbar war das wirklich nur die Weltherrschaft. Na, wahnsinn. Ähnlich flach bleiben bis auf wenige Details auch die Mitglieder der Cobra Unit. Im Gegensatz zu der Foxhound-Einheit oder Dead Cell aus den Vorgängern wird den Mitgliedern der Cobra Unit kaum ein Background spendiert und sporadisch treten sie auch nur in der Handlung auf. Die Jungs sind eigentlich nur Kanonenfutter für die Boss-Kämpfe.

Die Boss-Kämpfe wiederum sind dafür Metal Gear-typisch sehr gelungen. Eine große Stärke ist es, dass man ruhig etwas mit den Items und Waffen experimentieren kann. So kann man The Fear mit vergammeltem Fleisch eine Lebensmittelvergiftung verpassen.
Persönliches Highlight für mich war der Kampf gegen den Scharfschützen-Experten The End. The End versteckt sich nämlich getarnt in einem riesigen Gebiet und der Spieler, der selber auf seine Tarnung achten muss, muss ihn aufspüren. Das Gebiet ist riesig und besteht aus drei Bereichen. Dabei kann der Spieler unter anderem The Ends Scharfschützengewehr durch Sonnenreflexionen ausfindig machen oder seine Fussspuren aufsuchen, solange es nicht regnet. Insgesamt ist der Kampf sehr ruhig gehalten und man hört nichts weiter als die typischen Waldgeräusche. Aber gerade dadurch kommt eine enorme Intensität auf. Für mich ist dieser Boss-Kampf das Highlight des gesamten Spiels.

Ansonsten ist MGS3 das Spiel geworden, bei dem sich der Filmmensch in Kojima austoben konnte. Speichert der Spieler das Spiel per Funkspruch bei der Ärztin Para Medic ab, unterhalten sich Snake und Para Medic über Filme wie Godzilla, A Fistful Of Dollars oder The Great Escape. Unbedingt zu erwähnen sei dabei auch das Intro ‚Snake Eater‘, ein bunter Music-Clip mit vielen Symbolen wie Schlangen, Frauen oder Flugzeuge und dem Lied ‚Snake Eater‘, der direkt aus einem James Bond-Film kommen könnte. Der Boss-Kampf gegen The Fear erinnert auch an den Film Predator, da The Fear mit einer Predator-ähnlichen Tarnung von Baum zu Baum springt und den Spieler angreift. Dazu passend ist Angst, also Fear, ein Thema des Films.

MGS3 ist aber auch kein pefektes Spiel. So hatte die ursprüngliche Fassung nicht die frei drehbare Kamera, die erst in der erweiterten Version integriert wurde. Als Folge dessen war das ursprüngliche Spiel mitunter sehr unübersichtlich. Subsistence konnte dieses Manko einigermassen wieder ausbügeln.
Für größere Wutausbrüche sorgte bei mir jedoch die Steuerung. Bis zu MGS3 konnte der Spieler stehen, sich hinhocken oder hinlegen. Fortbewegen war nur im stehen oder liegen möglichen und geduckt laufen ging erst in späteren Teilen. Um also den eigenen Geräuschpegel (Gegner konnten erstmalig in MGS3 den Spieler laufen hören) niedrig und den Tarnindex hoch zu halten, musste der Spieler sehr viel kriechen. An und für sich nicht so schlimm, nur steuert sich dabei Snake mitunter so bockig wie eine Limosine in einem Looping. Nicht selten ist es dann eher die Steuerung, gegen die der Spieler beim vorsichtigen Schleichen kämpfen muss.
Witzigerweise erkennt man bei diesen beiden Punkten aber auch die Einflüsse, die die Spielreihe Splinter Cell auf die Metal Gear-Reihe hatte. Denn eine frei bewegbare Kamera und geducktes Laufen bot schon das erste Splinter Cell. Beide Mechaniken wurden jedenfalls nach MGS3 auch in die Metal Gear-Reihe übertragen.

Davon abgesehen bleibt Metal Gear Solid 3 für mich ein Highlight der Serie. Auch wenn die Handlung vereinfacht wirkt, erzählt sie jedoch eine epische Geschichte um einen sehr sympathischen Cast an Characteren. Dazu kommt das frische Setting mit vielen, neuen Spielideen.

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