Aus dem Zocker-Leben: Die Metal Gear-Reihe

Wahrscheinlich sehr unwahrscheinlich, aber falls es doch Jemanden aufgefallen sein sollte: Die letzten Wochen war ich in diesem Blog sehr inaktive. Der Grund dafür waren meine zwei Wochen Urlaub. Diese habe ich größtenteils damit vollbracht, die Metal Gear-Reihe Revue passieren zu lassen und damit auch endlich einige ungespielte Teile der Serie zocken zu können, ob nun gänzlich ausgelassen wie die beiden Ur-Teile Metal Gear und Metal Gear 2 – Solid Snake sowie Metal Gear Solid 4 – Guns Of The Patriots, als aber auch bisher ungespielte Neufassungen, wie Metal Gear Solid – Twin Snakes oder Metal Gear Solid 3 – Subsistence (HD). Zur Vollständigkeit dürften da natürlich Metal Gear Solid – Peace Walker und Metal Gear Solid 2 – Sons Of Liberty nicht fehlen. Ja, Nicht-Kenner der Serie sollten bei diesen Titeln derzeitig etwas verwirrt sein und wahrscheinlich gerade keinen Anschluss finden, aber in diesem Moment ist es auch nicht allzu wichtig, die Titel zu kennen. Ich werde jedenfalls eine Review-Serie zu den Titeln schreiben und versuchen, etwas über die Hintergründe, die Themen und mögliche Interpretationen zu schreiben. Dazu hin und wieder dazwischen einige VGM’s.

Müsste ich mich für eine absolute Lieblings-Serie festlegen, dann wäre dies wohl die Metal Gear-Reihe. Zwar hat die Serie mein Lieblinsgenre der Stealth-Spiele nicht begründet, aber dennoch sehr populär gemacht. Nicht zu vergessen wären da auch die Boss-Fights, die immer wieder Akzente setzten. Am meisten beeidruckte mich aber die Art, wie in dem Medium Videospiele Inhalte transportiert werden können und die Spieler zum Interpretieren von Themen gebracht werden.

So war Metal Gear Solid von 1998 für mich etwas besonderes, weil es gewöhnliche Themen ansprach wie die Bedrohung durch Atomwaffen und oder die Entsorgung von Atommüll. Auch Bezüge zum Thema Klonen und Golfkrieg finden sich im Spiel. Dies läuft alles unter dem Oberthema ‚Gene‘ ab, aus dem sich eine Message herausinterpretieren läßt.
Dabei bin ich eher zufällig auf Metal Gear Solid gestossen. Ein Freund hatte mir, es müsste 1998 oder 1999 gewesen sein, seine Playstation ausgeliehen mit einigen Spielen, wie Tekken 3, Driver und Final Fantasy VII. Dies war für mich ein sehr guter Einstand und ich erinnere mich immer noch sehr freudig an diese Spiele zurück. Gut, absoluter Crap wie WCW Nitro war auch dabei, aber der Spielfreude und dem späteren Kauf hatte dies keinen Abbruch getan. Irgendwie hatte die Konsole auch etwas besonderes an sich. Es war für mich die erste erwachsene Konsole – wobei ‚erwachsen‘ vielleicht nicht das beste Wort ist, aber das erste, das mir dazu einfällt. Da ich die eben genannten Spiele schon durch hatte, hatte ich mir dazu ein Spiel gekauft, wovon ein Kumpel geschwärmt hatte: Metal Gear Solid.
Ich war schnell von dem Spiel begeistert, unter anderem auch wegen der filmreifen Präsentation. So fällt mir spontan kein anderes Spiel ein, welches im ersten Level oder innerhalb der ersten Spielminuten einige Credits ablaufen läßt wie „Director XY“, „Producer AB“, um dann in einer schnittigen Zwischensequenz den Spieltitel einzublenden. Dazu komplett deutsche Sprachausgabe, was man schon in Mission Impossible unter anderem kannte, aber bisher nicht so umfangreich. Und damals konnte mir die Sprachausgabe noch gefallen, auch wenn sie manchmal unfreiwillig komisch klang. MGS war auf jeden Fall eine andere Erfahrung. Noch nie gab es zuvor ein Spiel, welches sich so derartig wie ein Agenten-Thriller anfühlte.
Ansonsten hatte ich unter MGS-Zockern auch einige besondere Momente mit MGS. So bekommt man von einer Geisel, die man retten soll, eine CD. Auf der CD-Verpackung steht die Codec-Nummer einer Agentin, die man damit erreichen kann. Der clevere Gedanke dahinter lautet auf der Spiele-Verpackung zu kucken, da auf deren Rückseite die Nummer steht. Dafür war ich nicht klug genug. Ich habe also von den 14000 bis 14199 Nummer alle Nummer durchgeklickt, bis ich die richtige Nummer fand. Die 14015. Dooferweise habe ich aber von hinten, also bei 14199, angefangen. Doof lief auch der Kampf gegen Psycho Mantis, einem Telepathen, der die Gedanken des Spielers liest (also die Controller-Eingaben) und damit sämtlichen Angriffen ausweichen kann. Der Trick dahinter war, den Controller in den 2. Controller-Steckplatz zu stecken, damit er die Gedanken nicht mehr lesen kann. Hätte ich das gemacht, wäre mir der stundenlange Kampf, bei dem vielleicht jeder 10. Schlag getroffen hatte, erparst geblieben.
Ich denke aber auch die beiden Wayne’s World-Filme werden unwidertrennlich für mich mit MGS verbunden bleiben. So hatte ich mal eine Nacht durchgemacht, bis 6 oder 7 Uhr morgens. Ich weiß nicht mehr genau in welcher Reihenfolge, aber ich hatte mir an diesem Abend/dieser Nacht die beiden Filme angekuckt und mir unter den MGS-Extras das „Demo Theater“ angekuckt, welches alle Zwischensequenzen abspielt und dazwischen die Spielhandlung in Texten zusammenfasst. Dies alleine müsste über 3 Stunden gedauert haben, dazu kamen wie gesagt die Wayne’s World-Filme.

1999 hatte ich mir dann auch Metal Gear Solid – VR Missions geholt. Dies ist ein Mission-Pack mit ungefähr 300 Missionen. Die hatten zwar keine weitere Story, aber man konnte immerhin wieder etwas MGS spielen und wie ein Puzzle-Spiel verschiedene Schleich-Rätsel lösen. Ansonsten gab es auch viele öde Sachen, wie dumpfe Time Attack-Waffen-Modi.

Im Jahr 2000 wurde dann Metal Gear Solid 2 – Sons Of Liberty mit einem Trailer auf der damaligen E3 angekündigt, der MGS-Helden Solid Snake in einer Mission auf einen Schiffstanker zeigt. Der Trailer hatte nicht nur virtuelle Wellen geschlagen, sondern die gesamte Videospiel-Presse beeindruckt. Metal Gear Solid kommt zurück, mit völlig beeindruckender Technik und Erbsen-Details. Man konnte einzelne Flaschen an verschiedenen Stellen wie Flaschenhals oder -boden abschießen, die physikalisch korrekt umfielen. Oder in einem Shootout zerplatzten Melonen und Sachen aus Kisten sind von einem Regal gefallen – nicht, dass das für das Spiel irgendwie relevant gewesen wäre, denn wir sprechen hier von einem Stealth-Game und keinem Shooter. Im eigentlichen Spiel würde man eigentlich niemals in so einer Situation kommen, aber egal, es ging halt!
Als das Spiel draußen war, war die Ernüchterung groß, weil das Spiel dann doch anders war, als es die Trailer und auch eine spielbare Demo vermuten ließen. Man spielte zwar die Vorgeschichte des 2. Teils mit Snake auf dem Tanker, aber danach begann das eigentliche Spiel mit Raiden, einen blonden, jungen Rookie auf der sehr orangenen Meerwasserreinigungsstation Big Shell, am hellichten Tag.
Ich hatte damals als Schüler noch nicht das Geld, mir MGS2 zu holen, als es im März 2002 rauskam. Teufel, hatte ich überhaupt eine PS2? Und dann wurde eh Metal Gear Solid 2 – Substance angekündigt, also eine erweiterte Version von MGS2, mit mehreren VR-Missions, kurzen Alternative-Missionen, einem Skateboard-Minispiel und einer Dokumentation. Also hatte ich noch gewartet und bin so gut es ging jeglichen Spoiler der Serie aus dem Weg gegangen, um es mir dann im März 2003 zu holen. Hm, ist das wirklich nur ein Jahr später gewesen?
Jedenfalls wurde auch MGS2 etwas besonderes für mich. Es hatte zwar nicht mehr das Agenten-Flair des Vorgängers, aber MGS2 vermittelte das Gefühl, es würde noch wesentlich mehr hinter dem Spiel stecken. Als würde hinter jedem Gespräch noch eine versteckte Message sein. MGS2 war für mich das erste Spiel, das mir das Gefühl gab, Spiele könnten auch eine Kunstform sein und nicht nur blosse Unterhaltung.
Gerade dies wurde bei MGS2 aber auch zum Problem, weil das Spiel sehr überfrachtet war. Es hatte sich zwar sehr gut verkauft, aber die Reihe erlitt doch einen Dämpfer.

Metal Gear Solid 3 – Snake Eater erschien dann März 2005. Im Gegensatz zum ersten oder zweiten Teil fallen mir keine Erinnerungen rund um das Spiel und die Veröffentlichung mehr ein, die es aufzuschreiben wert wären. Zum einen ist der Hype um MGS langsam abgeklungen, wobei die Nachfolger nach wie vor sehr gute Spiele wurden und sich auch gut verkaufen konnten. Aber außerdem war auch die Zeit der Wunder um die herum 90er langsam vorüber, was eigentlich auch nur heißt, dass ich älter geworden bin.
Eine Sache wäre da aber doch noch. Ich wollte jedenfalls wieder warten, da zum 3. der Serie auch wieder eine erweiterte Fassung angekündigt wurde, nämlich Metal Gear Solid 3 – Subsistence für Oktober 2006. Es war dann wiederum eines solcher Tage, an denen ich plichtbewusst an meinen Mathe-Aufgaben sass – was nicht sonderlich selten war, Mathe war mein Lieblingsfach – als mein Schwager in mein Zimmer kam und mir die Steelbox von Metal Gear Solid 3 – mit Spiel – auf mein Mathebuch warf. Wie zum Teufel, was, warum, serious, egal: YAY! Ich wollte eigentlich noch auf Subsisctende warten, aber verdammt, drauf geschissen!
Die Subsistence-Version hatte ich mir dann auch irgendwann nachgekauft, wenn auch nicht zum Release. Wobei es gar nicht mehr so leicht war, weil das Spiel kaum noch irgendwo angeboten wurde und es eine gewisse Zeit auch nur noch zu Sammlerpreisen zu bekommen war. Die Subsistence-Fassung habe ich wiederum bis heute nicht gespielt. Als ich mir die Fassung dann geholt hatte, hatte ich keinen Fernseher mehr und bin auf den PC umgestiegen. Eine vernünftige Software, um mit Konsolen am PC zu spielen, fand ich leider kaum.

Der nächste Titel der Serie war dann Metal Gear Solid – Portable Ops im Mai 2007 für die PSP, die ich wiederum nicht hatte. Aber halb so schlimm, nachdem ich einen Kumpel beleidigt, Prügel angedroht, angespuckt, mich entschuldigt, geflehnt, verzweifelt um Vergebung gebittet, auf Knien angefleht, noch mehr geflehnt und Geld geboten hatte (okay, eigentlich habe ich nur nett gefragt und er hatte nett zugesagt; nichtsdestrotrotz bin ich dieses Szenario schon im Kopf durchgegangen), hatte er mir seine PSP und Portable Ops ausgeliehen, während ich im Krankenhaus lag – ohne mich geprügelt zu haben. Eine PSP mit einem guten Spielen ist das perfekt Gerät für einen Krankenhausaufenthalt – und ein Krankenhausaufenthalt ist der perfekt Anlass für eine PSP mit einem guten Spiel. Ich konnte legitim das Spiel von morgens bis abends durchsuchten, ohne Gewissensbissen gegenüber Pflichten, sozialen Kontakten oder körperlicher Hygiene zu haben. Ein Traum-Urlaub! MGS Portable Ops konnte ich danach jedenfalls in 4 bis 5 Stunden locker durchzocken.
MGS Portable Ops war dann auch – wie Jahre zuvor der Kumpel mit der Playstation – der Anlass mir eine PSP mit einigen starken Spielen zu holen und mir selber Portable Ops nachzukaufen. Memo an mich, ich könnte Portable Ops nun auch mal auf meiner eigenen PSP durchzocken.

Zwischenzeitlich habe ich mir dann Metal Gear Solid – The Twin Snakes zugelegt. Bei The Twin Snakes handelt es sich um ein Remake des ersten MGS, welches auf dem Gamecube im Jahr 2004 erschienen ist und welches ähnlich wie Subsistence schwer zu bekommen war. Zumindest geht auch dieser Titel eher zu Sammlerpreisen weg. Und ähnlich wie Subsistence habe ich Twin Snakes auch eine lange Zeit nicht gespielt.

Die PSP wiederum hatte sich auch für den nächsten Teil der MGS-Reihe gelohnt, nämlich Metal Gear Solid – Peace Walker aus dem Jahr 2010. Peace Walker konnte ich ausgiebig während mehrstündigen Zugfahrten (und Vorlesungen) zocken und es ist auch der umfangreichste Teil der Serie geworden. So habe ich ungefähr 150 Stunden mit dem Spiel verbracht.

Zwischenzeitlich kam im Jahr 2008 aber auch Metal Gear Solid 4 – Guns Of The Patriots, der Titel, der die Saga um ein vorläufiges Ende brachte und die offenen Fragen der Serie beantworten sollte. Ich hatte wie ein kleiner Junge gewartet es spielen zu können. Nicht, weil ich auf den Release gewartet hatte, sondern weil ich es mir relative früh gekauft hatte (um später keine häßliche Platinum-Version kaufen zu müssen), ohne überhaupt eine PS3 oder einen Fernseher zu haben. Gut, eigentlich halt so schlimm, mit Subsistence und Twin Snakes (und eigentlich auch noch einigen anderen Titeln) war es ja in guter Gesellschaft. Schlimm wurde es, 4 Jahre lang jeglichen Spoilern aus den Weg gehen zu müssen und nicht mitreden zu können. Foren wurden zu Minenfeldern aus Spoilern, denen ich versuchte mit Panther-artigen Reflexen (die ich nicht besitze) auszuweichen. Unnötig zu erwähnen, dass sich die wenigen gespoilerten Details in mein Gedächtnis festgezeckt hatten, anstelle dies mal bei wichtigen Sachen passieren würde, aber ist natürlich nicht so.

Letzte Woche hatte dies aber auch ein Ende. Ich hatte mir die Metal Gear Solid HD Collection gekauft (nicht, dass ich HD-Sammler wäre; der Kabel der alten Konsolen reicht nicht zu meiner Couch) und nach dem Zocker der HD-Versionen von Teil 3, Peace Walker und Teil 2 nun auch endlich den 4. Teil hinter mich gebracht. Die nächsten Wochen wird es nun Reviews, VGM’s und sonstige Sachen zum Thema Metal Gear geben.

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Eine Antwort zu Aus dem Zocker-Leben: Die Metal Gear-Reihe

  1. Karlske schreibt:

    Hmm mein Kommentar tauchte beim Fallout 3 Artikel auf, seltsam. Ich hatte wohl ein Bier zuviel. Nochmal ^^ Bin auf deine Meinung zu MGS4 gespannt ^^

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