Fallout 3

Wie bin ich bezüglich Open World-Spiele noch verblieben? Ich wollte einen Titel haben, der mich nicht nur mit einer Menge an Spielsachen in eine Sandkaste setzt und auffordert, Spass zu haben, sondern der noch weiter geht. Ich wollte ein Spiel haben, bei dem ich mich in einer offenen Welt befinde, in der ich Geschichten und Abenteuer erlebe und meine Entscheidungen und meine Spielweise wirkliche Auswirken haben. Im Endprinzip habe ich das alles dann in Fallout 3 gefunden.

Zunächst beginnt das Spiel mit der Geburt der eigentlichen Hauptfigur, was an sich schon etwas besonderes ist. Man legt Namen und das spätere Aussehen der Figur fest. Man spielt das Kind dann Monate später, wenn es seine ersten Schritte macht und dem Spieler wird die Steuerung grob beigebracht. Außerdem verteilt man seine ersten Characterwerte. Man macht wieder einen Sprung und setzt zum 10. Geburtstag der Hauptfigur ein, bei dem man seinen Pip-Boy (welches für die Karte, das Inventor usw. da ist) bekommt und mit einem Luftgewehr schießen lernt. Jahre später macht man bei einem Test mit, bei dem man die ersten Character-Fähigkeiten festlegt. Auch habe ich meine erste physische Auseinandersetzung mit einer Gang, die ich aber mittels Dialog hätte umgehen können.
Nach all dieser Tutorial-Phase, die mir schon sehr viel Spass gemacht hat, setzt langsam der Plot ein. Mein virtueller Vater hat den Schutzbunker 101 verlassen, in denen sich ein Teil der Zivilation zurückgezogen hat, als die Atombomben beim 3. Weltkrieg fielen. Ich verlasse den Bunker und versuche meinen Vater wieder zu finden.
Und damit beginnt das Spiel auch schon mit einem Magic Moment. Zunächst kennt man nämlich nur den Bunker, wie die Welt da draußen aussieht, weiß man nicht – auch wenn man eine ungefähre Vorstellung davon haben dürfte. Und rein optisch überrascht die Außenwelt dann eigentlich auch nicht. Im Bunker hatte ich mir die Außenwelt als eine kaputte Wüstenlandschaft vorgestellt und als ich dann draußen bin, finde ich auch wirklich dieses Szenario vor. Aber es ist dennoch ein besonderer Moment, weil ich den kleinen, in sich geschlossenen Mikrokosmos, den der Bunker darstellte, verlassen habe. Zum ersten Mal in Fallout 3 sah ich richtiges Tageslicht. Ich hatte eine riesige, freie Welt vor mir, ganz im Gegensatz zu den grauen Gängen im Bunker. Selbst ein banaler Ort wie die Überreste einer zerstörten Kleinstadt ganz in der Nähe des Bunkers war ein kleines Erlebnis, das ich sofort erkunden musste. Zwar gab es dort nichts weiter als Müll, aber dennoch war dieser zerstörte Ort aufrgend! Halt doch, in einen Briefkasten fand ich einen Brief, laut dem der Empfänger nach seiner Bewerbung für einen Platz in einem der Schuztzbunker abgelehnt wurde. Woah!

Bis hierhin ist Fallout 3 schon zu etwas weitaus besonderem als Dead Island oder Borderlands geworden. Fallout 3 bieten mir nämlich jetzt schon einen besonderen Moment und sollten noch viele weitere kommen. Dazu bietet es mir zu Beginn eine Landschaft, die nicht nur da ist um mich von A nach B zu scheuchen, sondern die zum Entdecken einlädt und für sich selber faszinieren kann.

Ich starte das eigentliche Spiel also mitten im Nirgendwo, vertrieben, ohne Geld und ohne Ahnung, wohin ich eigentlich gehen soll – also alles ungefähr wie der Sonntagmorgen eines typischen Wochenendes. Ich habe kaum einen Anhaltspunkt – wobei, doch. Eine Markierung auf meinem Kompas zeigt mir die Richtung an. Ich bin kein Freund von diesen In Game-Hilfsmitteln wie Weganzeigen, aber gut, in Fallout 3 ist die Welt einfach zu groß, um den Spieler blind los laufen zu lassen. Also los zu Megaton, eine kleine Siedlung, die um eine noch immer aktive Atombombe erbaut wurde. Gleich zu beginn lande ich also nicht nur in irgendeine Siedlung, in denen ich nur Aufträge von blanken Gesichtern annehme, sondern befinde mich an einen Ort mit einer eigenen Geschichte und Herkunft. Mit Menschen, die selber auch ihre eigenen Geschichten hinter sich haben.
Auch treffe ich im späteren Spielverlauf während meiner Reisen durch das Ödland in einer verlassenen, zerstörten Stadt einen bestimmten Jungen. Sein Vater ist verschwunden und aggresive Riesen-Ameisen terrorisieren die Stadt – ich soll ihm helfen. Diese zufällige Begegnung wiederum entwickelt sich zu einem kleinen, in sich abgeschlossenen Abenteuer, in dem ich einen verrückten Wissenschaftler auf die Spur komme und die Geschehnisse um seine irren Experimente aufdecke.

Genau das ist es, was ich mir bisher gewünscht habe. Ich wollte, dass die Orte und Menschen nicht nur einfach da sind, sondern auch für etwas stehen, etwas zu erzählen haben. Also eine Geschichte, ein Abenteuer im Abenteuer und nicht nur blosse Deko und Kulisse. Und außerdem im Spielverlauf weitere Abenteuer erleben, die für die Main-Quest komplett unwichtig sein mögen, aber die Spielwelt lebendiger machen.

Bezüglich Megaton geraten ich aber auch noch in ein Dilemma. Die Einwohner bieten mir an, mich die Atombombe endgültig entschärfen zu lassen – ja, ich bin auch ein sehr vetrauenswürdiges Kerlchen. Aber ein scheinbar sehr wohlhabener Mann hingegen bietet mir viel Geld und ein teures Appartment an, wenn ich die Bombe hochgehen lassen und damit die komplette Siedlung ausradiere und alle Einwohner töte. Ich kann also eine Entscheidung treffen, die weitreichende Folgen mit sich bringt.
Das mag nun ein simples Beispiel sein, denn entweder bin ich der voll nette Dude von Nebenan oder der Ober-Satan. Im späteren Spielverlauf kann ich aber jeden Auftrag unterschiedlich anfangen und unterschiedlich erfüllen. Damit entwickeln sich Aufträge dynamisch und gehen über dem üblichen Schwarz/Weiß hinaus. Soll ich für einen Ghoul gezielte Auftragsmorde begehen, kann ich die Zielpersonen per Bezahlung töten, ich kann aber auch Nachforschungen über die Hintergründe dieser bezhalten Morde anstellen und komme damit einen kleinen Schatz auf die Spur. Die Bezahlung für die Auftragsmorde stecke ich trotzdem ein, obwohl ich die Zielpersonen verschont habe.

Das hat mir jedenfalls auch sehr an Fallout 3 gefallen: Ich kann Entscheidungen treffen. Dabei gibt es zum einen simple Gut-/Böse-Konstruktion, wie aber auch komplexere Verflechtungen, in denen es mehrere Ausgangs-Varianten gibt. Dazu bringen meine Entscheidungen auch Folgen mit sich, die sich auf die Welt auswirken. Ich bin also Jemand. Ich habe Auswirkungen auf die Spielwelt, ich kann etwas verändern, ich kann interagieren. Ich selber bin also nicht nur da und einfach nur Requisite, also nicht nur ein Beiwerk, sondern ein treibendes Objekt.

Ansonsten überzeugte mich auch das freie Gameplay. In anderen versuchten RPG-/Ego Shooter-Spielen wähle ich eine Character-Klasse und das war es im Groben dann auch schon. In Fallout 3 hingegen entwickeln ich meine Figur in eine von vielen Möglichen Richtungen. Für mich kam natürlich der schleichende Scharfschütze in Frage, der Türschlösser knackt und Computer hackt. Dabei gibt es auch noch so viele, teilweise auch obskure Fähigkeiten, wie Kannibalismus. Kannibalismus wiederum habe ich zwar nicht verwendet, weil es nicht zu meien Character gepasst hätte, aber mich hat vollkommen begeistert, dass es diese Möglichkeit überhaupt gab.

Das Setting von Fallout 3 wirkt zugegeben nicht sonderlich frisch. Na klar, Atombomben fielen, die Welt besteht aus Sand und Trümmern, kennt man schon, hat auch schon 2 Vorgänger. Und auch die 50er Einflüsse sind nach Bioshock oder als Comic-Form in TF2 auch nicht sonderlich neu. Aber dennoch konnten die Leute von Bethesda mich überzeugen, weil die Welt von Fallout 3 lebendig ist, sie existiert, sie bietet etwas.

Vielleicht habe ich zuvor schlichtweg die falschen Spiele gespielt. Wenn ich darüber nachdenke, ist Fallout 3 tatsächlich das erste Non-JRPG gewesen, das ich gespielt habe – Experimente mit RPG-Einflüssen mal nicht dazugezählt, egal ob nun gute (Deus Ex) oder schlechte (Borderlands, Dead Island) Beispiele. Jedenfalls sind es diese Punkte, die Fallout 3 für mich zu etwas besonderem gemacht haben. Also die offene, lebendige, detailreiche Welt, in der ich als Spieler da bin und Einfluss habe und mich frei entwickeln kann. Vor allem wurde Fallout 3 aber zu etwas, was ich mir in einem Spiel gewünscht habe.

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Eine Antwort zu Fallout 3

  1. Karlske schreibt:

    Bin auf deine Meinung zu MGS4 gespannt :)

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