Dead Island-Nachtrag: Zensur

Als ich angefangen habe diesen Blog zu schreiben, tat ich dies unter folgendem Anspruch: Bloss keinen falschen Scheiß von mir geben und mir eine gewisse Glaubwürdigkeit bewahren. Gut, man mag mir bei meinen umstrittenen Meinungen wahrscheinlich komplett widersprechen wollen, aber dabei bemühe ich mich um die Korrekheit sämtlicher von mir aufgestellten Fakten. Auch wenn mir das in Zukunft nicht immer gelingen sollte und sich mal ein sneakiger Fehler einschleichen sollte, wird das immer ein fester Punkt in diesem Blog bleiben.
In dem Sinne versuche ich für jeden von mir vorgebrachten Fakt auch eine handfeste Quelle anzugeben, am besten die Original-Quelle. Damit will ich mich nicht nur absichern, sondern vor allem meine eigenen Behauptungen prüfen. Ich glaube, ich hätte jetzt schon einige fehlerhafte Beiträge geschrieben, wenn ich genau dies nicht getan hätte. Dabei werde ich nicht versuchen zu wirklich jeden Scheiß eine Quelle anzugeben. Wenn ich ohne explizite Quellenangabe behaupte, in Dead Island stehen vier spielbare Charactere zur Auswahl, kann man mir das auch mit reinem gewissen glauben.

Dead Island ist überhaupt ein gutes Beispiel. Zunächst wusste ich aus dem Kopf heraus, dass das Spiel verbuggt releaset wurde, dass eine falsche Version hochgeladen wurde, dass falsche Keys verteilt wurden und so weiter. Um aber auch die genauen Details zu überprüfen, habe ich nach Quellen gesucht – vor allem nach den Artikeln, die ich damals schon auf meinen Stamm-Newsseiten zum Thema Dead Island gelesen hatte. Blöderweise gab es diese News nicht mehr – siehe dazu die Dead Island-Seite auf Gamona (zu der auch der obige Header-Screenshot gehört). Auf anderen deutschsprachigen Gaming-Newsseiten fanden sich auch kaum noch News zu Dead Island, bezüglich der Key-Geschichte fand ich gar nichts, außer dem Material aus den Foren, für das ich wiederum lange suchen musste.

Warum war das nun alles so kompliziert? Was ich in meinem Beitrag zu Dead Island wohl nur nebenbei erwähnt habe: Dead Island ist am 6.9.2011 in Amerika und am 8.9.2011 in Europa erschien, aber nicht offiziell in Deutschland, da es wahrscheinlich ohne Kürzungen indiziert oder beschlagnahmt worden wäre – bzw. die europäische Version wurde dann auch ende November indiziert und auf die Liste B der Bundesprüfstelle für jugendgefährdete Medien (BPjM) gesetzt. Im Januar hingegen wurde der Titel von der Liste B auf die Liste A gesetzt. Das heißt grob zusammengefasst, der Titel ist immmer noch indiziert, aber es droht keine Beschlagnahmung mehr.
Was ist eine Indizierung und was ist eine Beschlagnahmung? Bei einer Indizierung darf der Titel (wobei es sich dabei auch u.a. um einen Film, ein Buch oder eine Musik-CD handeln kann) nicht öffentlich beworben werden. Er darf also nicht offen in Verkaufsregalen von Media Markt, Saturn und Co. verkauft werden und Reviews oder Testberichte dürfen auch nicht publiziert werden, weil dies als Werbung für das Spiel gelten würde (darunter würde auch mein Beitrag fallen, aber das ist mir – im Moment – egal :>). Theoretisch könnte man also noch indizierte Titel in jedem Laden auch weiterhin kaufen, die Verkäufer müssten sie aber „unter der Ladentheke“ anbieten“ – was wiederum kaum Jemand tut. Eine Beschlagnahmung ist hingegen ein Verkaufsverbot, also der Titel dürfte in jedem Fall nicht verkauft werden. Man darf mich korrigieren, falls ich irgendwo falsch liegen sollte.
Nebenbei erwähnt ist es sehr interessant zu beobachten, was für ein mangelhaftes Wissen so mancher Politiker wie auch so mancher Gamer bezüglich Jugendschutz, Indizierung, Beschlagnahmung und Co. herrscht. Spieler klagen bei Schnitt- und Indizierungsmeldungen, wie sehr sie in unserem Staat doch mit Verboten gequängelt werden, während seitens der Politik endlich Verbote und Massnahmen gegen Killerspiele gefordert werden. Die einen sehen in unserem staatlichen Jugendschutz ein strenges Kontroll-Regime, die anderen die pure Anarchie, stimmen tut beides eigentlich nicht.

Jedenfalls wird es bezüglich Indizierungen und Beschlagnahmungen aber seltsam, wenn diverse Newsseiten sämtliche News-Berichte – ohne etwas bewertendes über das Spiel zu sagen – bezüglich Dead Island einstellen, wie die Meldung über das „Feminist Whore“-Achiement oder der falschen Steam-Version zum US-Release. Siehe dazu auch die Dead Island-Seite von gamone.de, die wegen der Indizierung keine News bezüglich Dead Island mehr anbieten. Ich weiß nicht, ob die Betreiber dies von sich aus machen, um juristisch auf einer sicheren Seite zu stehen, oder diesbezüglich angeschrieben wurden. Klar, Pre- Reviews müssten bei einer Indizierung entfernt werden, weil Reviews in gewisser Weise auch Werbung für ein bestimmt Produkt sind, aber dazu auch sämtliche News? Vor allem, da nicht alle deutschsprachigen News-Seiten ihre Berichte über Dead Island eingestellt haben und man immer noch so manche News bezüglich Dead Island lesen kann.
Grundsätzlich sehe ich durchaus positive Ansätze in unserem Jugendschutz-System und würde insofern zustimmen, dass die derbsten ab 18-Spiele – oder auch Hardcore-Pornos – u.a. nicht überpräsent in unseren Kaufhäusern ausgestellt werden sollten. Oberste Instanz bei der Kindererziehung sollten aber immer noch die leiblichen Eltern bleiben – sofern diese in ihrer Aufgabe als Erzieher nicht überfordert sind, aber ich schweife ab.
Der Jugenschutz geht jedenfalls dann eindeutig zuweit, wenn er gleichzeitig die volljährigen Bürger bevormundet und wenn in dieser Form schlichweg Zensur betrieben wird. Zensur halte ich in keinen Fall für ein vetretbares Verfahren, egal unter welchen Deckmantel sie betrieben wird. Denn damit können Gründe vorgeschoben werden, um unliebsame Inhalte wegsperren zu lassen. Was heute zum Schutze von Kindern und Jugendlichen gesperrt wird, wird morgen zum Schutze vor Terrorismus und Faschismus gesperrt, wird übermorgen wiederum zum Schutze vor freier Meinungsäußerung gesperrt.

Gut, ich bin nicht der Typ, der sofort „Orwell!“ schreit wenn mal wieder die Jungs von der BPjM aktive werden. Aber ich sehe keine Lösung darin, wenn wir einfach nur verschweigen und verschließen, auch nicht bezüglich verfassungswidriger Symbole wie dem Hakenkreuz. Und vor allem sehe ich einen Einschnitt in meiner Freiheit, wenn ich rein informel meine Gedanken nicht öffentlich ausschreiben und formulieren darf, sei es in Form eines Blog-Textes oder kommunikative in einem Forum.

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